Die „gemeynen Frawen“, das „älteste Gewerbe der Welt“ halfen in der alten Reichsstadt Nürnberg beim Löschen.

(Eine stadthistorische Betrachtung von H. Adler Februar 2007)

 

Die Erwähnung der gemeynen Frawen finden wir in einigen historischen Abhandlungen des Nürnberger Löschwesens als pikanten Hinweis, als erwähnenswerte Groteske, ein Autor sei hier stellvertretend zitiert.

Ein recht seltsam anmutender Punkt aus dieser Ordnung (der Feuergehorsam H.Adler) soll dabei nicht verschwiegen werden: An allererster Stelle der zum Löscheinsatz verpflichteten Personen werden ausgerechnet die „gemeynen Frawen" - also die Dirnen - genannt; da nicht zu erkennen ist, warum gerade diese Berufsgruppe besser zum Löschen taugen, sollte als etwa die Zimmerer oder die Maurer, wird man hier wohl eine Schikane vermuten müssen. 1

An allererster Stelle der Personen, die zum Löscheinsatz verpflichtet waren, wurden aber „die gemeynen frawen" aufgeführt; da - im Gegensatz zu den anderen verpflichteten Berufsgruppen - beim horizontalen Gewerbe keine besondere berufsimmanente Löschtauglichkeit erkannt werden kann, wird man hier wohl eine repressive Maßnahme gegenüber einer unterprivilegierten Gruppe annehmen müssen. 1

Die Ordnung von 1544 umfasst 28 bedruckte Blätter in Großquart. Im Folgenden soll kurz auf die auffallendsten Veränderungen gegenüber 1449 eingegangen werden. 

Anders als 1449 sind jetzt die folgenden Handwerker verpflichtet, bei Ausbruch eines Brandes zu erscheinen: Steinmetzen, Zimmerleute, Dachdecker, Tüncher, Pflasterer, Klaiber (Ziegler), Bader und Ballenbinder. Die gemeinen Frauen erscheinen also in dieser Liste nicht mehr, sie werden aber in einem am Schluss der Ordnung gedruckten Verzeichnis über die jedem am Löschen Beteiligten zustehende Besoldung noch einmal angeführt. Sie stehen hier in einer Rubrik gemeinsam mit den Barfüßermönchen; ein fester Lohn ist in dieser Spalte ausnahmsweise nicht angegeben, es heißt aber, man habe ihnen „vor alters" einen Gulden gegeben. 1

Die gemeynen Frawen, die Vertreterinnen des horizontalen Gewerbes, eingeteilt, ja verpflichtet zum Löschdienst, in der Geschichte des Nürnberger Löschwesens eine amüsante Fußnote wie es scheint. Der Autor, Dr. W. Lehnert, vermutet denn auch eine repressive Maßnahme gegenüber einer unterprivilegierten Gruppe der städtischen Ständegesellschaft, die damit wohl unter Kuratel der Obrigkeit gestellt werden sollte.

Was zu denken gibt ist, dass der Rat sich die Repression der Dirnen auch noch Geld kosten ließ und diese, wie auch den Barfüßermönchen (auch die gemeinsame Erwähnung, Dirnen und Mönche in einer Rubrik dürfte nicht zufällig zustande gekommen sein), einen Gulden pro Einsatz (von alters her) bezahlte.

Alle Fuhrleute, sowohl städtische als auch private, waren zur Wasserheranführung verpflichtet. Größter Wert wurde dabei auf Geschwindigkeit gelegt. Derjenige, der das erste Fuder Wasser zum Brand brachte, wurde mit 120 Pfennigen belohnt. Der zweite Fahrer erhielt 60, der dritte 30 Pfennige; jede weitere Fahrt wurde mit zehn Pfennigen bezahlt. Um die Wasserzufuhr zu beschleunigen, verfiel man auf die für die sozialen Verhältnisse des Mittelalters nahezu abenteuerlich anmutende Regelung, Knechte anteilmäßig am Gewinn ihrer Arbeitgeber zu beteiligen: Jeder Lohnkecht, „der mit seins herren oder meisters pferden wasser zufüren wirt, der sol haben den vierden pfennig von dem gelt" - das ist also eine Gewinnbeteiligung von 25 Prozent! 1 

Diese abenteuerlich anmutende Regelung erklärt sich wohl zuerst daraus, dass Zwangsmaßnahmen oder Drohungen nicht besonders erfolgversprechend waren um einer, die Existenz der gesamten Stadt bedrohenden Gefahr eines Brandes, wirkungsvoll begegnen zu können. Hierzu war, vor allem in der Frühzeit der Reichsstadt, die Mobilisierung der gesamten Bürgerschaft von Nöten.

Die großzügige Bezahlung oder die Bewirtung der Löschkräfte ist einer eigenen Betrachtung wert (wird hier aber unterlassen), aber sie zeigt doch, dass diziplinarische, repressive Maßnahmen gegenüber den Löschkräften bei Feuersgefahr (meist mit Stadtverteidigung und Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung in der Stadt einhergehend) keinen Sinn machten und erfolglos bleiben mussten.

Von daher darf gefragt werden, ob der Feuergehorsam (= das Löschsystem, heute Brandschutzbehörde, Feuerwehr genannt) zur Disziplinierung der Stadtgesellschaft vom Rat jemals eingesetzt wurde oder dazu überhaupt ein taugliches Instrumentarium war.

Wohl eher nicht, denn um Kriegs- und Feuersnöte abzuwehren schuf Nürnberg schon im 13. und 14. Jahrhundert ein penibel strukturiertes Ordnungswesen und organisierte sowohl sein Kriegs- als auch sein Löschwesen auf gleicher rechtlicher Verordnungsgrundlage.

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich die Brandbekämpfung, bedingt durch weitere Mechanisierung der Löschtechnik und verstärkter Arbeitsteiligkeit, so weit entwickelt, dass auf eine (zumindest teilweise) Mobilisierung der Stadtgesellschaft verzichtet werden konnte – die Geburtsstunde der Feuerwehr.

Öffentliche Ordnung, jedenfalls das was die herrschende Oberschicht, der Rat der Stadt Nürnberg darunter verstand, wurde in der mittelalterlichen Kommune zuerst (und das nicht zu selten) durch Hinauswurf (Stadtverweis) der Betroffenen (arme Sünder) aus der Stadt durchgesetzt und unter Androhung noch schlimmerer Strafen (den Garaus machen) sanktioniert. Auch die unterprivilegierte Gruppe der gemeynen Frawen blieb von derartigen Ordnungsmaßnahmen nicht verschont.

In seinen Ratserlässen pflegte der Rat des Öfteren Leute, die sich unmanierlich und unzüchtig benommen haben, voll Unwillens auf dem Judenbühl oder den Plerrer zu verweisen. Hier durften nämlich „gemeine Dirnen oder ander weibspilder“, darunter wohl auch solche, die man sonst als „varende wip“ bezeichnet findet (…) ungestraft ihr unzüchtiges Wesen treiben. Es ist uns ein Polizeigesetz vom Jahre 1480 erhalten, worin der Rat alles „unverhohlene“ schamlose sich breit machen der Unzucht auf öffentlichen Straßen und Plätzen in- und außerhalb der Stadt ernstlich verbietet, davon jedoch ausdrücklich ausnimmt den „Grund auf dem Judenbühel, ond dartzu den anger oder wissen, zwischen dem wilboltzbrunnen und den Stayen Prucken, das von alter her plerrer genannt ist“ 2

Der Nürnberger Rat blieb sich treu und reglementierte wie überall, auch in diesem Metier bis ins kleinste Detail. Dabei unterschied er aber sehr genau bei den besagten Frauen (wie die verschiedene Betitlung vermuten lassen), er schützte seine Dirnen in der „Ordnung der gemeinen Weiber in den Frauenhäusern“, (Dirne war eben nicht gleich Dirne), vor Konkurrenz (z.B.), behandelte die Frauen unterschiedlich und stellte sie (jedenfalls einen Teil) anderen Gewerbetreibenden gleich. Die Affinität mit dem Rugamt und dem Handwerkerstand drängt sich hier geradezu auf und ein Vergleich zeigt deutlich die (verblüffende) Privilegierung der reichsstädtischen Dirnen.

Natürlich fehlt auch in Nürnberg ein Frauenhaus nicht, das wir bereits zu Anfang des 15. Jahrhunderts erwähnt finden. Es befand sich im sog. Muckenthal, an der alten Stadtmauer, dem heutigen Frauengässchen.

(…) An der Spitze des Hauses stand der „Frauenwirt“, der am Rat einen wöchentlichen Zins zahlen musste. Da nun „umb vermeydung willen mereres übels in der christenhait gemeine weyber von der heiligen kirchen geduldet werden, und doch eine yeden wesen leydenlich masse und ordnung gepüren“. Hielt es der Rat für seine Pflicht, auch eine „Ordnung der gemeinen Weiber in den Frauenhäusern“ zu erlassen. Die uns erhaltene stammt etwa aus dem Jahre 1470 und ist hauptsächlich zum Schutze der öffentlichen Mädchen bestimmt. Es verdient erwähnt zu werden, dass der Rat darin noch ein Verkaufen oder Verpfänden derselben sowie Leihen auf sie verbieten musste. Ferner wurden die Preise genau festgesetzt, die der Wirt für Verabreichung von Speise und Trank, Kleider usw. von seinen „Töchtern“ zu fordern hatte. (…) Will sich ein öffentliches Mädchen verheiraten, so soll der Frauenwirt ihrem Vorhaben nichts in den Weg legen und was er etwa noch zu fordern hätte, auf rechtlichem Wege von ihr eintreiben. Leuten – es waren meist Handwerksgesellen – die eine „gemeine dirn auf dem tochterhaus“ ehelichten, pflegte das Bürgerrecht geschenkt zu werden.

(…) Der Rat hatte ein Interesse daran, dass die Inwohnerinnen des Frauenhauses in ihrem Gewerbe nicht beeinträchtigt würden. Diese fühlten sich denn auch förmlich als eine „gesetzlich anerkannte Zunft“ und nahmen sich daraufhin alle möglichen Freiheiten heraus, in denen sie der Rat nur wenig störte. So machte sie eifrig Jagd auf „Böhnhasen“ und „Winkelweibern“ und wo sie ein heimliches Bordell aufspürten, kam es wohl auch, dass sie mit Erlaubnis des Bürgermeisters dasselbe stürmten und alles darin kurz und klein schlugen.  Charakteristisch für die naive Auffassung dieser Dinge ist die bekannte Anekdote, wie Kaiser Friedrich III. während seines Aufenthalts in Nürnberg im Jahre 1471 einst, als er soeben das städtische Kornhaus besichtigt hatte und nun das dicht dabei gelegene Frauengässchen passieren musste, von zwei Dirnen mit einer silbernen Kette festgehalten wurde, mit den Worten: „Wir sind ie nit gern gefangen, wir wollen uns ee (eher) auslosen“ einen Gulden gab. Als er darauf vor das

Frauenhaus kam, fingen ihn wieder vier und er musste abermals einen Gulden geben. Wie gering verhältnismäßig die Missachtung war, die man den öffentlichen Mädchen entgegenbrachte, geht daraus hervor, dass sie ehedem auf dem Rathause bei dem Derrer* (*= daspätere Grundherrische Haus an der Säu- oder Dörresbrücke gegenwärtig der Bayerische Hof, wofrüher öfters wie auf dem Rathaus Patrizierhochzeiten und Tänze gehalten wurden) zum Tanz erscheinen durften. 2

Winkeldirnen (im Sinne des Handwerksrechts) Stümpler (Auch Staudenmeister, Störer) bezeichnet jene handwerklich tätigen Personen, die zu ihrer Tätigkeit nicht befugt waren, da diese dem Kompetenzbereich eines → Geschworenen Handwerks zugehörten; es handelte sich also um eine rein rechtliche Abgrenzung, für welche das fachliche Können des S. keine Rolle spielte. Während S. oder Störer jeder unberechtigt tätige Handwerker genannt wurde, bezeichnete Staudenmeister speziell die Handwerker außerhalb der Stadtmauern (oft in den Gärten), die ihre Ware in die Stadt einschmuggelten. Die Konkurrenz der S. war für die Angehörigen der Geschworenen Handwerke N v.a. deshalb lästig, weil jene nicht den einengenden Vorschriften der N → Handwerksordnungen unterworfen waren und so oft günstiger produzieren konnten. 3

Rugamt

Im Gegensatz zu anderen Städten besaßen die → Handwerke in der Rst. N keine Selbstverwaltung durch Zünfte, sondern unterstanden der strikten Kontrolle durch das R. Dieses entstand 1470 aus der Teilung der Aufgabenbereiche des → Fünfergerichts und der → Herren ob dem Amtsbuch. Seine sachliche Zuständigkeit umfasste die Vorbereitung von Entscheidungen des → Inneren Rats in Handwerkssachen, die Ausarbeitung der → Handwerksordnungen (ihr Erlass lag beim Rat), die Überwachung ihrer Einhaltung, die erstinstanzliche Entscheidung von Streitigkeiten als Handwerksgericht (→ Ruggericht), die Leitung der Handwerksversammlungen, die Bestätigung der Geschworenen- und (bezüglich der Handwerker) Genanntenwahlen, die Einschreibung der Lehrlinge und Gesellen und Verleihung des Meisterrechts sowie die Überwachung und z.T. Führung der auswärtigen Korrespondenz der Handwerke. Seine territoriale Zuständigkeit umfasste alle Handwerker innerhalb der Stadt und der Vorstädte sowie die eigenherrschaftlichen und >alten< N Untertanen auf dem Lande (→ Alte Landschaft); (...) wurde es selbst am 15.12.1808 aufgelöst; seine Aufgaben übernahm die → Polizeidirektion. 3

Man sieht der Rat (seine Patriziersöhnchen und wer noch alles wurden großzügig versorgt) kümmerte sich um seine gemeyne Frawen, stellte sein horizontales Gewerbe dem Handwerk gleich und belohnte die Ehelichung (Altersversorgung) mit dem Privileg des Bürgerrechts.

Ganz in diesem Sinne verhielten sich auch die Frauen, sie hoben schon einmal ein heimliches Bordell aus und schalteten dadurch (selbstlos?) ihre [Billig] Konkurrenz aus. Der Büttel brauchte gar nicht erst einzugreifen, das erledigten die vom Rat zugelassenen Frauen selbst. Die, von mDr. W. Lehnert, vermuteten repressiven Maßnahmen trafen demnach (so darf angenommen werden) nur den nicht geduldeten Teil (Dirnen oder ander weibspilder) der öffentlichen, aber eben illegalen Frauen, diese wurden aus der Stadt, vor die Mauern gejagt.

Die Geduldeten, die Anerkannten, die im Frauenhaus, bekamen Ihren Platz in der Stadtgesellschaft zugewiesen und waren verhältnismäßig wenig missachtet. Aus dieser (privilegierten) Stellung und nicht zuletzt mit der Verleihung des Bürgerrechts leitete sich dann die honorierte Plicht zur Löschhilfe ab, die wie noch zu sehen sein wird, weitere Vorzüge brachte.

Frauenhaus

Obwohl in den Quellen vereinzelt mehrere Frauenhäuser erwähnt werden (z.B. 1470 >Ordnung der gemeinen Weiber in den F.<), lässt sich nur das 1403 erstmals erwähnte F. im >Maukental< (→ Frauengasse) eindeutig nachweisen. Das von einem Frauenwirt geleitete F. war ein besonders befriedeter Bezirk; seine Bewohnerinnen hatten das → Bürgerrecht und genossen einen dem → Handwerk ähnlichen Schutz ihres Gewerbes; so gab der → Innere Rat ihnen 1505 die Erlaubnis, das Haus von Winkeldirnen (im Sinne des Handwerksrechts → Stümpler) zu stürmen. Die Kundschaft reichte von Handwerksgesellen über Bürger bis hin zu Fürsten; fallweise wurden die Frauen auch zu Festlichkeiten des Rats hinzugezogen. 3

Die Bewohnerinnen („gemeine dirn auf dem tochterhaus“) hatten das Bürgerrecht, dies wiederum schloss allerdings auch Bürgerplichten mit ein.

Mit dem Erwerb des Bürgerrechts trat man in den >Schwörerverband< der Stadtbürger ein, mit dem man letztlich die Stadtverfassung anerkannte und bestimmte Pflichten übernahm. 3

So beispielsweise die Verpflichtung zum Feuergehorsam, der neben (honoriger) Bezahlung auch ausschloss, zur Verteidigung der Stadt herangezogen zu werden. Der Grund hierfür war, dass man in Nürnberg (nicht nur hier) aus strategischen Gründen, auf eine strenge personelle (nicht administrativ-organisatorische) Trennung zwischen Brandbekämpfung und Stadtverteidigung großen Wert legte.

Hier zeigte sich besonders deutlich, dass es nur durch die personell organisatorische Trennung von Verteidigung und Brandbekämpfung, wie sie in Nürnberg seit Jahrhunderten galt, verhindert werden konnte, dass bei einem jähen Ausbruch eines Brandes während einer Beschießung die auf den Wällen Postierten den ihnen anvertrauten Platz verließen, um zu löschen und ihr Hab und Gut zu retten, und so dem Feind ermöglichten, die Wälle zu stürmen.

(...) Ein Wechsel vom Feuergehorsam zum Bürgeraufgebot musste von den Feuerherren genehmigt werden. Wurde ein dem Feuergehorsam Unterstehender unter die Konstabler der Bürgerartillerie aufgenommen, so wurde er im Feuergehorsams-Buch nicht gestrichen, sondern sein Name wurde mit einem „a" (= absent) gekennzeichnet, und zwar unter Umständen über viele Jahre hinweg. 4

Bedenkt man nun, dass der Kriegsdienst, die Stadtverteidigung (Bürgeraufgebot), ebenfalls zu den Bürgerpflichten zählte und Frauen davon nicht von vornherein ausgenommen waren, so kann die Zuweisung der gemeynen Frawen zum Feuergehorsam nicht als Bestrafung, als Repression angesehen werden, eher das Gegenteil. Mit der Verpflichtung zum Löschen wurden die Frauen (salopp ausgedrückt) aus der Schusslinie genommen, was später zu weiterer Nachahmung aber auch zu Beanstandungen führte.

Schon in der „Addition zum Articulbrief “vom November 1632” beanstandete das Kriegsamt: Etliche Hundert entschuldigen sich durch den Feuergehorsam, deren man sich aber in zwei, drei und mehr Jahren (nur) einen Tag bedient. Ebenso sei kein Ämtlein zu klein, so (nicht) von der Wacht befreiet. Eine Reihe von Bürgern seien durch andere Aufgaben vom Dienst in den Bürgerkompanien suspendiert, z. B. die Gassenhauptleute und ihre Leutnante, ebenso Turm- und Torwächter, während sich andere Einwohner, wie vermögende Witwen, die einen Ersatzmann dingen könnten, und die Exulanten, die (als Schutzverwandte) niemand zur Wache stellen wollen, sich dieser Verpflichtung entzögen. Tatsächlich waren folgende sehr heterogene Gruppen dem unmittelbaren Dienst im Bürgerausschuss und Feuergehorsam, in der Praxis auch dem Aufgebot der Viertelmeister entzogen, wenn sie ihnen formal auch unterstellt waren. (...) Zum Löscheinsatz wurden aufgeboten: nach Endres Tuchers Baumeisterbuch und dem „Fewerpüchel" von 1449, - 16 Zimmerleute und acht Maurer, - alle Ableger, Schröter und Knechte in der Waag, - alle Bader mit ihrem Gesinde und - die „gemeynen Frawen”. 4

Erst im 16. Jahrhundert wandelte (wurde verändert) sich die verordnete Moral und im Zuge und Geiste der Reformation setzte sich auch in Nürnberg eine puritanischer Haltung durch. Manchem Betrachter unserer Tage ist dieser Bruch gar nicht mehr bewusst, der Blick der Erkenntnis auf eine andere, weiter zurückliegende Zeit bleibt oftmals verstellt.

Frauenhaus

Seit 1496 unterlag ihr Gewerbe zunehmenden Einschränkungen, die sich seit der → Reformation erheblich verstärkten. 1562 wurde das F. Abgeschafft. 3

Frauengasse

Das “Frauengäßlein” – vormals “Mauken- oder Muckental” hat seinen Namen von dem 1562 aufgehobenen Frauenhaus. 3

Mögen auch die Ursachen des moralischen Wertewandels (der von Dr. W. Lehnert in seinem Beitrag so nicht akzentuiert wurde) tiefer in der mittelalterlichen Gesellschaft zu suchen sein, so trugen doch protestantische (fundamentalistische) Prediger ihren Teil dazu bei. In Nürnberg jedenfalls, geriet nicht nur die wehrhafte Caritas Pirckheimer, die Äbtissin des Klarakloster, sondern auch die bis noch vor kurzem (jedenfalls von der Obrigkeit) geschätzten gemeynen Frawen in ihr Fadenkreuz und wurden dem neuen, humaneren (?) Zeitgeist geopfert.

Damals aber waren die Tage des Frauenhauses aber überhaupt gezählt. Infolge der mit der Einführung der Reformation strenger gewordenen sittlichen Anschauungen, die 1562 in einem Gutachten der drei ersten Prediger der Stadt ihren Ausdruck fanden, sah sich der Rat in diesem Jahr veranlasst, das Frauenhaus zu schließen und seine Insassen aus der Stadt schaffen zu lassen. An Stelle der öffentlich geduldeten nahm in den folgenden Jahrhunderten bis zum Aufhören der Reichsfreiheit der Stadt umso mehr die geheime Unzucht – oft jedoch in ganz unverhüllter Weise – überhand. (…) Strafrecht und Scharfrichter. - Seit 1565 wurden Personen, die in gotteslästerliche Weise geflucht, barfuß und barhäuptig vor die Kirchentüren gestellt, eine Strafe, die auch häufig über Frauenspersonen, die sich sittlich vergangen hatten, verhängt wurde. 2 

Ein anderes, altes Privileg wurde schon siebzig Jahre vorher abgeschafft.

(…) und ein drittes Mal im Jahre 1496, als der Rat der Reichsstadt den „gemeinen Töchter im Frauenhaus“, also den reichsstädtischen Huren, den Besuch von Tanzveranstaltungen auf dem Rathaus und „beim Derrer*“ verbot. (*Derrer = späteres Hotel „Zum Bayerischen Hof“ H. A.) 5

Resümee.

Die eingangs geäußerte Vermutung, die Verpflichtung der Dirnen zum Löschen sei eine repressive Maßnahme gegenüber den gemeynen Frawen, ist so nicht mehr aufrechter haltbar, stimmt meines Erachtens nicht.

Wie sich in der Benennung “Frawen” oder “Töchter” schon andeutet (im Gegensatz zu andre weibspilder oder varende wip), handelte es sich bei dieser Gruppe um einen in die ständische Stadtgesellschaft integrierten Personenkreis, der (größtenteils) sogar das Bürgerrecht besaß und wohl nur dieser Teil wird im “Fewerpüchel" von 1449 angesprochen und zum Löscheinsatz aufgeboten. Es ist sicherlich nicht von Nachteil, wenn im historischem Rückblick die Brüche, die Paradigmenwechsel (in unserem Beispiel bei den sittlichen Anschauungen) in die Bewertung mit einbezogen, berücksichtigt werden. Vielleicht kommt man der Wahrheit (im Sinne was war) ein klein wenig näher und begreift dadurch den Geist jener Zeit besser. Einer amüsanten Fußnote der Nürnberger Stadtg- und Löschgeschichte ist dies nicht abträglich, sie bleibt uns trotzdem erhalten.

 

1 Dr. Walter Lehnert - Brandschutz1970 - und - NN verschiedene Beiträge -

2 Emil Reicke - Geschichte der Reichsstadt Nürnberg -

3 Stadtlexikon Nürnberg

4 Franz Willax - Nürnberger Mitteilungen 75/ 1988 -

5 MVGN Bd. 93 S. 224

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