Feuerlöschordnung 1852

Auszüge aus dem Buch

„Handel und Industrie“

mit besonderer Berücksichtigung der Gegenwart

erschienen 1852

(…)

Von den Gefahren, welche die Elemente herbeiführen, ist Nürnberg mehrmals von Feuer und Wasser heimgesucht worden, und die großen Überschwemmungen von 1784 und 1849 sind durch Abbildungen, so wie durch die Angabe der Wasserstände an verschiedenen Häusern der Stadt dem Gedächtnisse wach erhalten.

Bei Feuersgefahren galt aber stets die Behauptung, dass in Nürnberg nicht mehr als höchstens ein Haus ein Raub der Flammen werde, weil man auf die Güte der Löschanstalten baute und die sogenannten Rußigen (Feuerarbeiter: als Rothschmiede, Zirkelschmiede, Schlosser, Kupferschmiede, Ahlenschmiede, Zeug- Und Kettenschmiede, Nagelschmiede, Feilenhauer, Flaschner, Nadel- und Fischangelmacher, Heftleinmacher, Schellenmacher und Hornpresser) wie Feuerbanner betrachtet wurden.

Bis der große Brand in der Krötenmühle 1842, und der noch bedeutendere in der Nägeleinsmühle 1851, dieses Renommee wankend machten, dabei letzterem Brande an acht Gebäude in Asche gelegt und mehrere mehr oder weniger beschädigt wurden.

Jedoch die Löschanstalten Nürnberg' s sind immerhin ausgezeichnet zu nennen, und die im Oktober 1845 revidierte Feuerlöschordnung bewährt jedenfalls ihre Zweckmäßigkeit

Die Grundzüge dieser Ordnung sind: stete Bereitschaft der zum vollständigen Gebrauch bestimmten Löschgeräte und der Feuerwächter und Röhrenmeistergehilfen im städtischen Bauamt. Um schnell orientiert zu sein, wo ein Brand ausgebrochen, sind die Stadt und im Burgfrieden in vier Feuerviertel eingeteilt,

innerhalb der Stadt:

das Sebalder I,

das Aegdien ll,

das Lorenzer III,

das Jakober IV;

im Burgfrieden:

Großweidenmühle, St. Johannis, Bucherstraße und ein Teil der Gärten hinter der Veste, I,

der andere Teil der Gärten hinter der Beste, Judenbühl, Gärten bei Wöhrd, Vorstadt Wöhrd, II,

Hadermühle, Flaschenhof, Ställe vor dem Frauenchor, Vogelsgarten, Kressengarten, Dürnhof, Neubleiche, St. Peter, Glockenhof, Galgenhof und Tafelhof, III,

Vorstadt Gostenhof, Ställe vor dem Spittlertor (Kieselberg), Bleiweißgarten, Himpfelshof, Bärenschanze und Kleinweidenmühle, IV.

 

Bei einem im inneren eines Gebäudes ausgebrochenen Brande, der von außen nicht sichtbar ist, werden auf erhaltene Anzeige vom Bauamte aus die Löschgerätschaften abgesendet, um das Feuer zu dämpfen; gelingt dies nicht, oder ist sogleich eine helle Flamme sichtbar, so geben die auf dem Lorenzer-, Sebalder-, Vestner-, Weißen- und Lauferschlagturm aufgestellten Wächter die üblichen Signale und zwar:

für das erste Viertel innerhalb der Stadt mit einem,

für das zweite Viertel mit zwei,

für das dritte mit drei und

für das vierte mit vier Glockenschlägen, dann wird mit dem Anschlagen der Glocke auf der Trompete geblasen, bei Tag eine Fahne, bei Nacht eine Laterne auf den Türmen nach der Richtung des Brandes ausgesteckt; dem Feuersignal der Türmer folgt der Trommelwirbel der Linie und Landwehr durch die Straßen, so lange die Flamme sichtbar ist.

Ein solcher Feuerlärm verursacht der Stadt einen Kostenaufwand von 500 fl., da jeder der Arbeiter ein Zeichen erhält, gegen welches er einen bestimmten Geldwert in Empfang nimmt.

Irrig ist die verbreitete Meinung, diese Summe werde durch eine Stiftung gedeckt, denn es besteht keine derartige Stiftung.

Das Feuersignal bei einem Brande im Burgfrieden unterscheidet sich von jenem für innerhalb der Stadt dadurch, dass nach dem Anschlagen der Glocke statt mit der Trompete, mit dem Diethorn in nach der Zahl des treffenden Viertels abgesetzten Stößen geblasen wird. Außerdem wird auch zu Wöhrd, St. Peter, St. Leonhard und St. Johannis die Sturmglocke gezogen.

Sollte gleichzeitig noch ein zweiter Brand ausbrechen, so werden bei Tage noch eine Fahne und bei Nacht noch eine Laterne gegen den Brandort ausgehängt und die treffenden Signale gegeben.

Bei weit um sich greifenden Bränden geben rasch auf einander folgende und dreimal wiederholte Glockenschläge das Zeichen, dass die Reservelöschmannschaft sich unverzüglich zur Ablösung einfinden soll.

Nachbenannte Gewerbe sind für den sogenannten Feuergehorsam eigens verpflichtet: die Bauhandwerker, (Maurer, Zimmerleute, Dachdecker und Tünchet) *), die Feuerarbeiter (siehe oben) und die Röhren-Und Brunnenmeister, Schlotfeger, Pflasterer, Schmiede, Wagner, Metzger, Färber, Gerber, Fischer, dann die bei dem städtischen Bauamt angestellten Arbeiter

Die Feuerarbeitet sind in vier Compagnien eingeteilt und besteht

Nr. 1 aus den sämtlichen Rotschmieden,

Nr. 2 aus sämtlichen Zirkelschmieden, Nagelschmieden und Feilenhauern,

Nr. 3 aus den Schlossern, Kupferschmieden, Ahlenschmieden, Ketten- und Zeugschmieden,

Nr. 4 aus den Flaschnern, Nadel- und Fischangelmachern, Heftleinmachern, Schellenmachern und Hornpressern.

Außerdem bilden die nicht zum persönlichen Dienst bei der Landwehr verpflichteten Meister und Gesellen der übrigen Gewerbe eine Reserve-Feuerlöschkompagnie, die im Notfall die übrigen Compagnien abzulösen und zu unterstützen hat.

Ferner bestehen in der Vorstadt Wöhrd zwei Feuercompagnieen, aus dortigen Gemeindegliedern gebildet und vorzugsweise zum Dienst bei Feuersgefahr in genannter Vorstadt bestimmt.

Jede Compagnie ist in Rotten abgeteilt, mit Rottenmeistern und einem Hauptmann für jede Compagnie.

Die Bauhandwerker müssen, so wie die erste Compagnie, sogleich nach dem Feuerlärm auf dem Brandplatz zum Löschen nach ihren Instruktionen erscheinen.

Die übrigen Compagnien sammeln sich bei einem Brande auf der Sebalder Seite: Nr. 2 auf dem Theresienplatz, Nr. 3 auf dem auf dem Weinmarkt, Nr. 4 auf den sieben Zeilen; bei einem Brande auf der Lorenzer Seite: Nr.2 hinter der Lorenzkirche, Nr. 3 auf dem Trödelmarkt, Nr. 4 auf dem Jokobskirchhof.

Allen Verpflichteten sind ihre besonderen Funktionen zugewiesen; den Bauhandwerkern die nötigen Arbeiten im inneren der brennenden Häuser, den Feuerlöschcompagnieen die Beischaffung des Wassers, Bedienung der Löschmaschinen, Führung der Schlauchleitungen, den Röhren- und Spritzenmeistern (für jede große Löschmaschine sind aus der Zahl der Feuerarbeiter 2 Spritzenmeister designiert, mit Ausnahme der im Bauhofe befindlichen Löschmaschinen, welche vom städtischen Röhrenmeisterpersonale dirigiert werden,)

Die Dirigierung der Löschmaschinen, den Schmieden und Wagnern vorzugsweise das Pumpen an den Maschinen, den Metzgern, Färbern und Gerbern das Füllen der Wasserkufen, den Fischern die Handhabung ihrer Kähne, den Schlotfegern die Beseitigung der Gefahr in den Schornsteinen. Arbeiter aus dem Bauamte sind bestellt, Pechpfannen bei nächtlichen Bränden anzuzünden und zu beaufsichtigen; die Fischbachaufseher haben die zum Aufstemmen des Wassers vorhandenen Schützen einzustellen und das Wasser in die bestehenden Seitenkanäle zu leiten; die Pflasterer nötigenfalls das Pflaster aufzubrechen.

Nach der Dauer des Brandes und nach Gestalt desselben lösen sich die Compagnien einander ab, wo es nötig werden kann, dass auch die Reservecompagnieen für die Lorenzer Seite auf dem Platze südlich der Lorenzkirche, für die Sebalder Seite hinter dem Rathaus zu erscheinen und weitere Anordnungen zu gewärtigen haben.

Sämtliches Feuerlöschpersonale darf nur nach erteilter Erlaubnis Platz und Wirkungskreis verlassen. Eigenmächtige Entfernung, unmotiviertes Nichterscheinen, Trunkenheit,. sind strengstens verboten.

Bei einem Brande im Burgfrieden ist nur die dritte und vierte Feuerlöschcompagnie in Funktion, und hat sich die dritte sogleich auf den Brandplatz zu verfügen; die vierte stellt sich auf: im I. Viertel am Spritzenhaus beim Tiergärtner-Thor, im 2. Viertel am Wachthaus vor dem Laufer-Thor, im Z. Viertel vor dem Frauen-Thor, im 4. Viertel auf dem Plärrer. Wöhrd versorgt sich zunächst mit seinen beiden Feuerlöschcompagnieen.

Alle Anspannbesitzer haben in den Stunden der Feuersgefahr ihre Pferde zur Disposition zu stellen; die Reserve stellt sich auf für das Sebalder (l.) Viertel auf dem Sebalder Kirchhof, für das Aegydier (2.) Viertel auf dem Lauferplatz, für das Lorenzer (3.) Viertel auf dem Steig, für das Jakober (4.) Viertel auf dem Jakober Kirchhof.

Die oberste Leitung der gesamten Löschanstalten geht von dem Polizeivorstande oder dessen Stellvertreter aus, unterstützt von dem städtischen Baurate und Magistratsräten.

Die technischen Anordnungen auf dem Brandplatze stehen dem städtischen Baurate zu, daher die Bauhandwerker und das die Löschmaschinen bedienende Personal seinen Geheißen zu folgen haben; jeder Feuercompagnie steht ein Magistratsrat vor, der anordnet und kontrolliert; Polizeibeamte mit ihrer Mannschaft unterstützen das Ganze, und den Ort, wo der Polizeivorstand und die übrigen Mitglieder der Direktion sich aufhalten, bezeichnet bei Tag eine Fahne, bei Nacht eine rote Laterne. Es versteht sich, dass in nötigen Fällen außer dem Feuerpiquet der Landwehr, von der Stadtkommandantschaft aller Vorschub geleistet wird, der zur Aufrechthaltung der Ordnung und Sicherheit nötig erscheint, dass auch alle Einwohner mit allen Mitteln der Vorsicht, Hilfeleistung und Bereitwilligkeit dazu beitragen, das Unglück in die engsten Schranken zu zwingen, wozu auch gehört, dass Bierbrauer, Seifensieder, Färber, Essigfabrikanten bei einem Brande zur Zeit strengen Frostes ihre Kessel schleunigst mit Wasser füllen und solches zu allenfallsigem Gebrauch warm halten.

Nach gelöschtem Feuer und Beseitigung aller Gefahr wird zur Abräumung des Brandplatzes geschritten und die Löschgerätschaften an ihre Aufbewahrungsorte zurückgebracht, worauf sogleich die Untersuchung und etwa nötige Reparatur derselben vorgenommen wird.

Ausgezeichnete, mit Mut und Entschlossenheit ausgeführte, oder mit Lebensgefahr verknüpfte Leistungen bei Löschung eines Brandes werden nach Beschaffenheit der Umstände angemessen belohnt oder öffentlich belobt. Insbesondere sind für den ersten Alarm, für die erste Anzeige im Bauhofe, für die Beibringung der beiden ersten Löschmaschinen, so wie der ersten Wasserkufe Gratifikationen bestimmt, wogegen diejenigen, welche den gegebenen Vorschriften zuwider handeln, nachdrückliche Bestrafung bis zu 50 fl. erwartet.

Ohne den Löschapparat der aufgelösten Feuerwehr * besitzt Nürnberg

227 große, fahrbare und kleinere tragbare Löschmaschinen, Wasserzubringer, Krückenspritzen und Handspritzen,

52   Wasserkufen,

278 Feuerlöscheimer,

12   Feuerleitern,

108 Feuerhacken,

57   Pechpfannen,

550 Pechkränze,

11   Schützbretter zu dem Fischbach,

23   Wassergölten,

32   Paar Wasserstiefeln,

5     eichene Schleifen,

12  Trommeln. Wie gesagt, der Apparat der aufgelösten Feuerwehr ist hier nicht mit gezählt.

*) Die nun aufgelöste Feuerwehr, meist aus jugendfrischen Turnern bestehend und nach dem Heidelberger Systeme geordnet, leistete mit ihren praktikablen Lösch- und Rettungsapparaten, auf welche sie trefflich eingeübt war, die ersprießlichsten Dienste. Dennoch wurde sie, als politisch nicht rein genug, aufgelöst und ihre offizielle Tätigkeit dadurch eingestellt

Wen man das ruhig fließende bei gewöhnlichem Wasserstande weder breite, noch tiefe Pegnitzflüßchen sieht, so glaubt. man unmöglich an die Verheerungen, die dasselbe zur Zeit bedeutender Hochwasser schon angerichtet hat.

Zu solcher Zeit sind alle niedergelegenen Stadtteile von den angeschwollenen Strömungen überflutet und in den Parterreräumlichkeiten, der Häuser steht das Wasser oft 7 Fuß hoch.

Im Jahr 1784 und im Jahr 1849 tobte das Element am heftigsten, zerstörte mehrere Gebäude, beschädigte Brücken und Straßenpflaster und trug auf seinen tosenden Wogen die Spuren der mannichfachsten Vernichtungen in allerlei Trümmern und Gerüsten. Solche Hochwasser kommen meist rasch, doch lassen sie immerhin Zeit zur Warnung und Wahrung vor dem gewöhnlichen Schaden durch Ausräumen.

Eine Ordnung, welche dieses Elementarereignis betrifft, ist eben im Entwurfe.

Dieselbe gehört in so ferne ebenfalls in dieses Werk, als sie gerade einen großen Teil der Industriellen in Anspruch nimmt. Wenn nämlich starke Regengüsse, Schnee- und Eisaufgang das Wasser von den Gebirgen in das Pegnitztal fallen lässt, so wird zuerst von Hersbruck aus, und, wenn die Sache bedenklicher wird, auch von Lauf aus ein Eilbote an den Magistrat in Nürnberg abgeschickt, worauf die Ansage des Hochwassers durch die Polizeimannschaft und Trommelschlag erfolgt. Zugleich wird das städtische Bauamt davon in Kenntnis gesetzt und von da aus werden diejenigen Maßregeln getroffen, welche hauptsächlich den Verkehr zwischen den einzelnen Stadtteilen, wo er von dem Hochwasser unterbrochen werden könnte, aufrecht erhalten. In diesem Bedarf wird eine große starke Bockbrücke von der Hauptstraße neben dem Hauptmarkte bis zur Mitte der Fleischbrücke geschlagen, wodurch die Herstellung der Hauptverbindung zwischen der Sebalder und Lorenzer Seite, der beiden vor annehmlichsten Stadtteile, bezweckt wird.

Zur Ermöglichung anderer Kommunikationen zwischen verschiedenen Punkten der Stadt werden zugleich an bestimmte Orte Pontons, Kähne und Flöße gebracht mit geschickten Fährleuten bemannt, die im Notfalle alles wagen. Nürnberg ist deshalb in 6 Hochwasserdistrikte eingeteilt, deren erster: die Vorstadt Wohrd, zweiter: vom Einfluß der Pegnitz bis an das Hengäßlein, dritter: vom Heugäßlein bis an die Winklerstraße, vierter: von der Winklerstraße zum Ausfluss, fünfter: Kleinweidenmühle, sechster: Lorenzer Seite, vom Einfluß bis zum Ausfluss. Jedem Distrikte ist ein Deputierter, ein Vertreter und ein Polizeibeamter beigeordnet.

Die Plätze, welche bei eintretendem Hochwasser mit Fahrzeugen versehen werden, sind:

1) bei der Sandmühle,

2) am Schießgraben,

3) Tucherstraße,

4) am Eck des Heugässchen und Neuengasse,

5) an der Spitalkirche,

6) Hanssachsengasse zunächst der Salzfischer,

7) an der Museumsbrücke,

8) in der Winklerstraße,

9) an der Fleischbrücke,

10) zwischen den Fleischbänken,

11) Carlsstraße,

12) Marslatz,

13) Weißgerbergasse,

14) untere Kreutzgasse,

15) mittlere Kreutzgasse,

16) Unterwöhrd,

17) Augustgasse,

18) auf der Schürt,

19) auf der Großweidenmühle,

20) auf der Klein« Weidenmühle,

21) Vorstadt Wöhrd.

Oder kommt das Hochwasser mit der heftigsten Rapidität in der Nacht, zu welchem Bedarfe die Gaslaternen brennend zu erhalten sind und an verschiedenen Stellen Pechpfannen aufgestellt werden.

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