Brandunglück " 5. April 1854 "

Am 5. April 1854 wurde Nürnberg von einem fürchterlichen Brandunglück heimgesucht.

Gegen 2 Uhr Morgens brannte das Haus des Farbenfabrikanten Puscher in der Albrecht-Dürer-Straße, dass mit dem anstoßenden Lithographen Ammersdörfer´schen früher ein Haus bildete.

Die Flammen hatten noch bevor eingreifende Hilfe geleistet werden konnte, mit rasender Schnelle das ganze Gebäude von unten bis in den dritten Stock durcheilt. Im dritten Stock standen händeringend der Magaziner Alt mit seiner Frau, bedrängt von der mit jedem Atemzuge sich mehrenden Glut.

Unten auf der Straße sammelten sich nach und nach Leute, aber man suchte vergeblich nach einer Leiter, die groß genug war, um bis zum dritten Stocke zu gelangen. Mittlerweile hatten einige Männer aus  einem Nebenhaus eine Leiter herausgehoben. Auf dieser kletterte Schneider Hölt mit Todesgefahr hinauf und nahm das kleine Kind der Alt´schen Eheleute, das im zugeworfen wurde im Empfang. Diesen selbst schleuderte er den Strick zu, mit dem er an die Leiter gebunden war.

Alt befestigte diesen oben, stütze seine Frau und sprang damit herab, aber er musste die Besinnung im Dampf und Rauch schon oben verloren haben, oder ihn verließ die Kraft. Er ließ den zu kurzen Strick in der Hälfte des Wegs fallen und stürzte auf das Pflaster herab, wobei er sich so schwer verletzte, dass er nach einigen Stunden verschied. Dem Gatten nach sprang Frau Alt und wurde glücklich von Umstehenden, die ihr Vorhaben ahnten, aufgefangen. Die Wucht des Sturzes zog ihr nichts als ein kurzes Krankgenlager zu. Ihre Mutter dagegen, welche erst einige Tage zu der Tochter, um diese zu unterstützen, gezogen war, wurde ein Opfer der Flammen.

Hr. Puscher und dessen Gattin, sowie ein Verwandter derselben retteten sich auf einer angelegten Leiter. Die Magd, Chr. Trautener, sprang im Hinterhause herab und verletzte sich auch bedeutende.

Der Unglückstätte gegenüber arbeiteten mehrere Lauter an einer Feuerspritzen, da erscholl der Ruf „Um Gottes Willen, er Erker stürzte“ einige retteten sich, mehrere aber erhielten die schwersten Verletzungen von den herabstürzenden Steinen, so dass sie nach einigen Tagen schon ihren Geist aufgaben.

Erschreckt drückte die Masse mit gewaltiger Wucht zurück, an einem Seitengässchen, das mit einer starken eisernen Kette teilweise abgesperrt war. Durch das stemmten und übereinander stürzen von Zuschauern, welche hinausgedrängt wurden, verletzt sich auch dort viele.

In das brennende Ammersdörer´sche Haus drangen mehrere Männer ein, um oben auszuräumen. Laut ertönte der Warnruf, man solle sich entfernen, da Gefahr vorhanden sei - da stürzte plötzlich der dritte Stock, beschwert mit Druckerpressen, ein und durchschlug die unteren Etagen.

Der glühende Schutt bedeckten vier Arbeiter, welche zu lange verweilt hatten, sie wurden im Laufe des Tages und am folgenden Tage arg verbrannt hervorgeholt, Ihr Tot war wohl grässlich, musste aber allen Anzeigen nach zu schließen, schnell erfolgt sein.

Die Feuersbrunst kostete 9 Menschen das Leben, Alt, dessen Schwiegermutter, Frau Schonbauer, frühere Wirtin in der Douglashöhle, Fleischmann, Schlecht und Simader (Zimmergesellen), Reil (Mauergesellte), Schramm, (Wagnergesell aus Fürth, der dort beerdigt wurde), Brüttinger  (Wagenwascher bei der kgl. Post) und Keller (Zeugschmied, der seinen Verletzungen am 9. April erlag).

In das städtische Krankenhaus wurden 16 Personen, darunter drei lebensgefährlich Verwundete gebracht. Zwei derselben starben noch am selbigen Tag.

Den 8. April fand die feierliche Bestattung der verunglückten Arbeiter statt. Der Leichenzug wurde von allen städtischen und kgl. Behörden begleitet. König Max schickte bei der Kunde von dem Unglück 500 fl. und 150 fl. zur Verteilung an die Verunglückten und später bestimmte er noch 1000 fl. aus dem Gewinnteilen des Staates an der Münchner-Aachener Gesellschaft zu gleichen Zweck. Mit den Beiträgen der Einwohner Nürnbergs kam die Summe von 7550 fl zusammen und erhielt.

Auszug aus der Buch "Historische Beschreibung der Stadt Nürnberg" G. Hammerbacher (1876)

Gedicht zur Einweihung des Ehrenmals auf der Feuerwache 1 im Jahr 1935

Das große Brandunglück und seine Opfer zu Nürnberg

In der Nacht am 05.April 1854

 

Schaffen kann der Funke sprüh´n,

doch die Flammen wildes Glüh´n.

Aller Fesseln sich befrei´n,

und dann zum Verderben sein.

 

Das Lärmsignal von einem großen Feuer

erweckte, Noris, dich nach Mitternacht.

Das Brand´s Gefahr wuchs an zum Ungeheuer,

es schlug die Flammen mit der Flamm´ die Schlacht.

 

Dort in der Abrecht Dürrer Straß´ erblickte

das Unglück man mit schaudernden Gefühl,

was Gestern noch das Lebenslicht entzückte,

traf heute jäh das Todes sich´res Ziel.

 

Es brannte in den Häusern zu nach oben,

drang durch die Wände auf zu Böden ein,

zur Rettung hatte sich der Arm erhoben,

doch sollte er damit nicht glücklich sein.

 

Durch´s Fenster ruft ein Alt nach Hülf´ und küsset

die Gattin noch mit Angst und Furcht ihr Kind,

denn nicht mehr fern´ die Feuerwelle fließet,

und die Gefahr des Todes wächst geschwind.

 

Da hebt ein Nachbar eine Leiter über,

auf diese wird das zarte Kind gelegt.

Der Hölt holt´ es trotz der Gefahr hinüber,

so dass errettet frei das Herz ihm schlägt.

 

Hierauf wirft er ein Seil schnell zu dem Gatten,

der fasset es und weichet ab und fällt

zur Erde tot, einst auf Elisiums Matten

die Theuren ewig er umschlungen hält.

 

Kaum stürzte er, springt nach im plötzlich nieder

die Gattin mit verzweiflungsvollem Schrei,

vom Volke unten aufgefangen wieder,

hat Leben sie und ist vom Tode frei.

 

Man sieht oben noch die Hände ringen

die greiße Mutter die nach Hülfe fleht,

bis Rauch und Flamme rings umher sich schlingen,

und sie im Brand´ verschwindend untergeht.

 

Umsonst hat man von ihr noch aufgefunden

den ganzen Leichnam, da in Stücken nur,

der Überrest sich zeigt den Lebensstunden

zum Schrecken aller menschlichen Natur.

 

Puscher und And´re konnten sich noch retten,

obwohl mit Wunden leichter oder schwer,

und um das Schauspiel von des Brandes Stätten

zieht das Verderben im Triumpf einher.

 

Rings eilen, um zu helfen, die Gesellen

und Zimmermänner in dem wilden Brand,

allein der Gasfluss und die Glut der Wellen

hebt gegen ihren Mut den Widerstand.

 

Es kracht im Ammersdörffer´schen Gebäude.

Die Diele mit Druckerpressen stürzt herab,

Trümmer und Steine decken zu die Leute,

von welchen manche finden schnell ihr Grab.

 

Ein großer Schreck bemächtigt sich der Geister.

Von dir, o Nürnberg, als dies gescheh´n,

ein Wächter, als dein neuer Bürgermeister,

läss´t sich dabei mit Kraft und Würde seh´n.

 

Rasch ordnet er zur Hülfe an die Hände,

und man bemerkt zunächst ihr der Gefahr,

D´rob bringet heißen Dank, als Norisspende,

ihm in dem Lied ihr Sohn und Sänger dar.

 

Mit ernster Trauer stimme ich die Saiten,

denn viel Opfer schlug hier das Geschick

und manchen, die an Wunden mußten leiden,

erloschen und brach der letzte Lebensblick.

 

Verbrannt, verstümmelte man die Körper sieht,

die zog man aus dem heißen Schutt hervor,

wo noch die Kohle und die Asche glühte,

die Nächstenliebe sich kein Glück erkor.

 

Wie schön mit Mut und mit Begeist´rung rangen

die jungen Männer gegen´s Element,

stark für die Tat zur Rettung sie eindrangen,

nicht ahnend nah´ ihr schauervolles End´.

 

Auch in den Glauben, daß der Himmel schützen

wird solche Edlen, war das Volk ringsum,

ihr Schreckenstod traf gleich den jähen Blitzen

die hohe Hoffnung aller Herzen d´rum.

 

Ein Schlecht mit kühnem, frischem Judendmute,

der gen die Flammen kämpfte als ein Held,

und ein Simader, männlich rasch am Blute,

der sich gezeigt tatkräftig für die Welt.

 

Gleich Reil, der rüstig schaffend sich bemühte,

zu retten noch, wo Hülf´ man nöthig fand,

wie Fleischmann auch, obgleich das Feuer sprühte,

sind Opfer, die gleich forderte der Brand.

 

Seit Nürnberg steht, hat ein Ereignis nimmer

so als wie dieses Unglück grimm Gewalt,

das Ächzen und der sterbenden Gewimmer

und der Verbrandten schreckliche Gestalt.

 

Erregte Schmerz und Wehmut, Ernst und Trauer,

da eine wilde Schicksalstragödie

dem Menschenleben gab nicht lange Dauer

und plötzlich tötete, als wie noch nie.

 

Es herrschen laut die schmerzensreichsten Klagen,

von Gattinnen und Kindern uns´rer Stadt.

Als solches Unglück in den schönsten Tagen,

die teuren Liebe abgerufen hat.

 

Der Trost allein, das Gottes Prüfungswegen

obgleich wir niemals ihren Schluss versteh´n,

kommt immer durch die Zukunft zu der Segen,

stärker ihr Gemüt noch für ein Wiederseh´n.

 

Dort auf den Gräbern fällt die bitt´re Zähre,

die Opferleichen ruhen in der Gruft,

indem die Geister zu des Himmels Sphäre,

der neue Lenz zur Auferstehung ruft.

 

Unsterblich zeichnet, Noris, in Annalen

Du ihr Namen nächst dem Unglücksbrand,

dass, als so lang des Gottes Sonn´ wird strahlen,

ihr Andenken lebt im Vaterland.

 

            C.W. Sauter

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