Explosion Bleistiftfabrik Staedtler "25.04.1929"

EXPIOSION ‑in Bleistiftfabrik (Hinweis H.A.- Text aus „Feuerwehr vor 60 Jahren" es gab auch einen Privatmelder - Bleistiftfabrik Staedtler Rückertstr. 9 - vermutlich ungenaue Angabe, gleiches Objekt)

Am 25. April, nachmittags kurz vor 15 Uhr lief auf der Feuerwache Nürnberg-West der Feuermelder der Mars ‑ Bleistift-Fabrik Rieterstr. 31 ein.

Es rückten hierauf sogleich alle drei Löschzüge sowie der Schlauchwagen unter Führung des Branddirektors aus.

Im dritten Stock des vor 5 Jahren erbauten Westflügels befindet sich die Spritzlackiererei, in welcher die Bleistifte mit Zaponlack aus Spritzpistolen behandelt werden. Zu diesem Zwecke sind die Bleistifte auf schmalen eisernen Tischen nebeneinander aufgeschichtet und werden durch ein unter ihnen entlanglaufendes perforiertes Eisen­band dauernd umgewälzt, um eine gleichmäßige Lackierung zu erzielen. Die beim Spritzen auftretenden Lackdämpfe werden durch eine kräftige Exhaustoranlage, deren Rohre unterhalb dieser Bänder münden, abgesogen. An den Arbeitsplätzen befanden sich jeweils Handvorräte von Spritzflüssigkeit und Verdünnung in einfachen Blechkanistern.

Staedtler

Am Unglückstage waren insgesamt 33 Arbeiterinnen unter der Aufsicht eines Werkmeisters beschäftigt, von denen etwa die Hälfte im Spritzraum tätig war. Ein Schlosser bohrte Löcher in eine der Tischplatten, wozu er eine elektrische Handbohr­maschine benutzte, die er nach Herausschrauben einer der über dem Tisch hängenden Glühlampen mittels eines Schraubsteckers an die Lichtleitung angeschlossen hatte. Nach seinen Aussagen soll plötzlich Rauch aus der Bohrma­schine herausge­drungen sein, dem bald darauf auch Funken folgten, sodass er die Maschine fortgeworfen hat. Gleich darauf trat eine heftige Explosion mit Stichflamme ein, die sofort die Nachbarschaft in Flammen hüllte.

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Die mit Spritzlack benetzten Kleider der Arbeiterinnen fingen sofort Feuer, und nur einige von ihnen sowie dem Schlosser gelang es, mit schweren Verletzungen die nur 7 m entfernte Treppe zu erreichen. Eine Arbeiterin stürzte sich in der Verzweiflung aus dem zweiten Stockwerk in den Hof; fünf Arbeiterinnen konnten sich nicht mehr retten. Der Feuerwehr gelang es unter Einsatz von zwei mechanischen Leitern, bis 15 ½ Uhr das Feuer zu löschen, dessen Hitze zum Teil so stark war, dass das Glas der Fen­ster an einigen Stellen schmolz .Insgesamt waren 12 Personen ums Leben gekommen.

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Die wichtigste Maßnahme zur Verhütung derartiger Katastrophen wird darin bestehen, dass man zunächst in einem derartigen Raume nur Maschinen verwendet, die von einer Transmission angetrieben werden und Antriebe durch elektrische Maschinen grundsätzlich vermeidet, ebenso andere elektrische Einrichtungen, bei denen mit dem Auftreten von Funken irgendwie gerechnet werden kann. Schließlich wäre seitens der chemischen Industrie zu untersuchen, ob es nicht möglich ist, die leichte Entflammbarkeit der Lösungsmittel durch entsprechende Zusätze vielleicht erheblich herabzumindern. Die Kosten­frage kann hier nicht entscheidend sein.

Anmerkung Helmut Adler: Die Brandopfer wurden in einem gemeinsamen Grab am Westfriedhof beigesetzt. Ihre Identifizierung war sehr schwierig und wurde mit ärztlicher Hilfe anhand des Mageninhaltes durchgeführt.  

Firmengrab Fa. J.S. Staedtler - Marsbleistiftfabrik

Geschichte Fa. Staedtler (externer Link)

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