Nürnberg im Spiegel der hochwasserführenden Pegnitz

 

 5. und 6. Februar 1909 eine Hochwasserkatastrophe und die Feuerwehr

 Zusammengefasst Februar 2011 von Helmut Adler 

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 Im Februar 2009 wurde in Nürnberg dem 100.ten Jahrestag der größten Hochwasser­katastrophe seiner Geschichte mit einer Anzahl von Veranstaltungen gedacht. Etwas stiefmütterlich, eigentlich zu stiefmütterlich kam in den zahlreichen Veranstaltungen dabei die Arbeit der hiesigen Lösch­kräfte, kam die Nürnberger Feuerwehr weg.

Wie auch heute noch waren die Feuerwehrmänner Nothelfer der ersten Stunde, die in der auf­strebenden Industriemetropole Süddeutschlands mit ihrem unermüdlichen Einsatz halfen, Schlimmeres zu verhindern. An diese längst vergessenen Männer und ihren Einsatz will diese Zusammenfassung erinnern.

Wohl hatte die jahrhundertelange Erfahrung mit der hochwasserführenden Pegnitz und ihrer zerstörerischen Gewalt die Stadt nicht ganz unvorbereitet getroffen, einzig die Nürnberger Löschanstalten aber, konnten rettende Soforthilfen erbringen.

Das hatte Tradition, denn schon von alters her lag der Kampf gegen die Flammen wie gegen die Fluten im Aufgabenbereich des Anschickers auf der Peunt.

Der Anschicker war der technische Leiter des Bauamtes und die rechte Hand des Baumeisters. Zuständig für das Personal (Bauhandwerker) hatte er auch bei der Brandbekämpfung mitzuwirken, ebenso bei Hochwasser.

Im Winter hatte er das ordnungsgemäße Aufeisen der Pegnitz zu überwachen. Damit verbes­serte man das Abflussverhalten des Flusses, trotzalledem, Tradition über die Jahrhunderte hinweg hatten auch zerstörerische Pegnitzfluten.

Die Chroniken überliefern, daß die Pegnitz in jedem Jahrhundert rund 15 größere „Er­güsse" geliefert hat. Alle zwei bis drei Genera­tionen - 1501,1595,1682,1784 und 1849 - stieg sie auf besonders katastrophale Höchststände, die der Situation von 1909 nahekamen.

Allein im 19. Jahrhundert wurden 21 Hochwasser registriert. Mehr als 60 Straßen der Altstadt waren dabei der Gefahr ausgesetzt überflutet zu werden.

Neben dem Eingang des 1945 zerstörten Bäumlerhau­ses am Hauptmarkt, befand sich eine eiserne Pe­gelstange, auf der die jeweiligen Höhen für die Nachwelt festgehalten sind. An ihren Angaben zeigte sich, daß die Fluten 1595 am Hauptmarkt 1,62 Meter, 1784 schon 1,82 Meter, 1849 sogar 2,33 Meter und 1909 den Rekord von 2,55 Metern er­reicht hatten.

 

Hochwassermarke Hauptmarkt  Hochwassermarken Nürnberg

An der Stelle des imKrieg zerstörten Bäumlerischen Hauses (alte Aufnahme) befindet sich heute das Cafe Casa Pane.

Hautpmarkt 3  Hauptmarkt 3

An dessen Eingang wurden die Hochwassermarken vieler Jahrhunderte wieder angebracht.

Die von Jahrhundert zu Jahrhun­dert ansteigenden Pegelhöhen widerspiegelten auch die erst heute stärker ins öffentliche Be­wußtsein gerückte Tatsache, daß die im Ablauf der Zeit zunehmenden Kulturarbeiten an Fluß­läufen zu immer stärkeren Hochwassern füh­ren.

 

Hohenstadt

 Hohenstadt

Die Eindämmung, verbunden mit einer Flussbegradigung der Pegnitz, durchgeführt beim Bau der Eisenbahn, ver­deutlicht der Vergleich beider Katasterblätter von Hohenstadt.  Erst in unserer Zeit wurde der meandernten Pegnitz (Nähe Campingplatz) wieder ein Nebenarm bei Hochwasser, ein kleines Wasserbiotop ermöglicht.

 Kleinweidenmühle

Die Pegnitz in Höhe Kleinweidenmühle bis kurz nach Johannisbrücke. Deutlich zu sehen der Raum für das Wasser (gestrichelte Linien) wobei das obere Bild die Situation vor 1900 beschreibt.

 

Fast alle Flutkatastrophen ereigneten sich immer im ausgehenden Winter. Dabei mussten viele Faktoren zusammentreffen, stark gefrorener Boden, hohe Schneelagen, Wärme­einbruch mit Starkregen und einsetzender Schneeschmelze.

Regen- und Schmelzwasser vor allem auf der Jurahochfläche der Hersbrucker Schweiz flossen oberirdisch ab, auf das Nadelöhr Nürnberger Altsstadt raßte im Februar 1909, wie schon so viele Male, eine Flutwelle zu und baute sich schneller als erwartet auf.

 

 Flusseinzugsgebiet

Das Einzugsgebiet der Pegnitz und seine Engstelle Nürnberger Altstadt.

Das Hydrotechnische Bureau stellte im Oktober 1910 (Autor Specht) in einer Abhandlung fest, dass das Flussbett der Pegnitz lediglich max. 90 Kubikmeter pro Sekunde abführen konnte. Tatsächlich aber flossen im Februar 1909   430 Kubikmeter durch die Stadt.

 Innerhalb einer Stunde stieg der Pegel (1 Uhr morgen 5. Februar 1909 in der Winklerstraße) um zwei Meter an und erreichte 2,70 m.

Der Fluss staute sich in dem durch Brücken; Mühlen und Wehre zusätzlich eingeschränkt auf eine noch nicht dagewesene Höhe von 4.67 m ( in der Früh 8.00 Uhr 5. Februar).

 

 Steubenbrücke

Historische Ansichtskarte (auch StadtAN E40 Nr. 557)

Pegnitzeinlass in die Altstadt bei der Steubenbrücke mit Schaulustigen. Einer der beiden noch intakten Pegnitzübergänge.

Steubenbrücke

Alle Straßen in den niedrigen Stadtteilen längs der Pegnitz, der Hauptmarkt  wurden überschwemmt, teilweise stand das Wasser 3 – 4 m in den Gassen. Die meisten Brücken zwischen der Lorenzer und der Sebalder Stadtseite waren unpassierbar die meisten Anwohner waren von der Außenwelt abgeschnitten.

 Hochwasser Ausbreitungsgebiet

Historische Ansichtskarte (auch StadtAN A34 Nr. 3681)

Das Ausbreitungsgebiet 1909 leider nicht einmalig.

 Wasser in den Gasse

Historische Ansichtskarte (auch StadtAN A34 Nr. 3702)


 Viele Nürnberger in den überfluteten Häusern befanden sich in höchster Lebensgefahr, das wusste man aus der Erfahrung früherer Zeiten.

Aus dem Jahre 1445 wird uns berichtet:

“Hat der Pegniczfluß zu Nürnberg sich ungewöhnlicher, unerhörter gestalt ergossen.

(...) Es hat den Gang sambt den zweien Schwibögen und Schoßgattern am Neuen Bau bei dem großen Thurn niedergeworfen und sonsten an Brücken und Stegen, in und außerhalb der Stadt, großen Schaden getan.

(...) Es hat auch an den Mühlwerken großen Schaden getan, also dass etliche Tag kein weiß Brot zu bekummen gewest. Das Wasser ist im Spital in der Krankenstuben, die Sutten genannt.”

 Die Krankenstuben des Heilig Geist Spitals und vor allem die darin liegenden hilflosen Menschen waren zu allen Zeiten besonders gefährtet.

Vom Hochwasser 1784, also über 300 Jahre später wissen wir, dass, nachdem die Brüstung der Heubrücke (heute heißt dieser Pegnitzübergang “Spitalbrücke”) weggeschwemmt wurde, die Trümmermassen sich an den Schwibbogen stauten und die Standfestigkeit des Gebäudes bedrohten.

Man evakuierte deshalb die über 200, teilweise bettlägerigen, Insassen mit einem Kahn durch die Spitalkirche zum Obstmarkt, wo sie auf die umliegenden Wirts­häuser verteilt wurden.

 Der völligen Zerstörung der ursprünglich hölzernen Brücken, ja dem Einsturz ganzer Häuser, vor allem der lebensnotwendigen Mühlen, niedergerissen von den Wassermassen, die mit  Treibgut oder Eisschollen beladen ihr Zerstörungswerk verrichteten, war Nürnberg schon immer ausgesetzt.

1595 berichtet der Stadtchronist Müllner über das Frühjahrshochwasser dass, obwohl kein Hochwasser herrschte, eine Eisscholle heftig an einen Strebebogen des Henkerstegs stieß und dieser zusammenbrach. Fünfzehn Schaulustige stürzten in das eisige Wasser, von denen acht ertranken.

 In der Nacht zum Montag den 23. Februar 1595 erreichte die Hochwasserwelle Nürnberg, sogar die steinerne (sie ersetzte die Holzbrücke) Barfüßerbrücke (heute Museumsbrücke) senkte sich merklich, Mauern und Wände des Katharinen­klostergartens, der Schleif- und der Schwaben­mühle stürzten ein

Allein in der Weidenmühle brachen zehn Häuser zusammen, nur mit Mühe und Lebensgefahr konnten die Bewohner auf Flößen gerettet werden.

Jetzt stürzte auch die mächtige Steinbrücke vor dem Hallertürlein um. Die Pfeiler dieser Brücke wurden vom Hochwasser unterspült und hielten nicht mehr stand, sodass das Wasser über die Stadtmauer spritzte und durch Trümmer der Brücke die Flut in der Stadt weiter anstieg.

Unter Lebensgefahr arbeiteten die Rettungskräfte, meist Bedienstete des Bauamts, um einsturz­gefährdete Häuser abzustützen und Treibgut vor den Brücken zu bergen, welches die Wasser­massen weiter aufstaute.

 Noch am Samstag musste sogar einer der damals zwei Bögen der Fleischbrücke eingerissen werden, um dem Wasser einen Abfluss zu öffnen. Zu allem Unglück brachen am Donnerstag und Freitag auch noch fünf Schlotbrände in nur zwei Tagen aus und verbreiteten neuen Schrecken, drohte jetzt doch zusätzlich zur Wassersnot auch noch eine Feuersbrunst.

 Vom Hochwasser aus dem Jahr 1784 wird berichtet, dass wieder alle Holzbrücken weggerissen und die Steinbrücken schwer beschädigt wurden, nur die Brücke vor dem Hallertürlein blieb diesmal stehen und sicherte als einzige die Verbindung zwischen beiden Stadt­hälften.

Schwer beschädigt wurden die Mühlen am Pegnitzufer und zahlreiche Häuser, das Metzger­handwerk beklagte schwere Schäden am Fleischhaus und an den Fleischbän­ken am Säumarkt, das Kürschnerhandwerk am Kürschnerhaus; alle Seifensiederkräme und Gärtnerinnenstühle wurden vom Hauptmarkt fortgerissen.

An der Kleinweiden­mühle hatte sich die Pegnitz einen neuen Arm durch die Deutsch­herrnwiese gebrochen und über hundert Meter vom Festland abgetrennt.

Fast alle Häuser der Kleinweidenmühle sanken, wie schon 300 Jahre zuvor, in sich zusammen.

Nur knapp konnten etwa hundert Menschen von dort auf einem Floß gerettet werden.

 In unermüdlichem, gefährlichem Ein­satz verteilten die Rettungskräfte auf Booten und Flößen Lebensmittel an die Einge­schlossenen oder evakuierten sie aus einsturzgefährdeten Häusern, bargen Treibgut an allen Brücken und sonstigen Staustellen.

Die alte Frau Meusel in der Unteren Wörthstraße hatte sich - trotz aller Warnun­gen - geweigert, ihr Haus zu verlassen. Die arme Frau stürzte zusammen mit dem Gebäude in die Peg­nitz.

Am ärgsten traf die Flut die direkt am Fluß liegenden Gebäude. Mit Ausnahme der Katha­rinenmühle wurden alle Pegnitzmühlen ganz oder teilweise zerstört. In der Unteren Wörth­straße stürzten vier und auf dem Säumarkt (Trödelmarkt) zwei Wohnhäuser ein. Das Un­heil traf auch öffentliche Gebäude. Besonders folgenschwer war die Vernichtung der „Hinte­ren Fleischbänke" auf dem Säumarkt und der „Vorderen Freibänke" am gegenüberliegenden Flußufer. Beim Zusammenbruch dieser Anla­gen wurde auch die „Steinerne Brücke" (heute Maxbrücke) beschädigt und mußte gesperrt werden.

Diese, bei weitem nicht vollständige Übersicht zeigt, dass die Nürnberger wohl wussten der Gefahren und damals wie heute galt und gilt, das Feuer kann man bekämpfen, man löscht es.

Vom Wasser aber, kann man nur fliehen, davonlaufen und an einem sicheren Ort warten bis es sich wieder zurückzieht.

Der Bericht des damaligen Leiters der Nürnberger Feuerwehr, Branddirektor Wolfermann über die Arbeit seiner Männer im während des Hochwassers im Februar 1909, sympatisch seine sachlicher Bericht, ganz ohne Pathos.

 

Wolfermann Franz

Franz Wolfermann, Leiter der Nürnberger Löschanstalten, leider längst vergessen, hat für die Feuerwehr und die Stadt Verdienstvolles geleistet.

 Die Feuerwehr hatte nun den Fahrdienst mit 24 Kähnen in den überschwemmten Straßen zu besorgen, die gefährdeten Menschen in Sicherheit zu bringen, ausgebrochene Schadenfeuer im Entstehen zu unterdrücken und die vom Land abgeschnittenen Bewohner mit Lebensmitteln zu versorgen.

50 Mann der städtischen und 6 der freiwilligen Feuer­wehr versahen diesen Dienst, während in der Hauptfeuerwache und in den Nebenwachen 61 Mann der städtischen und 47 Mann der freiwilligen Feuerwehr im Feuerbereitschafts- und Reserve­dienst standen. Die letzteren Mannschaften wurden am 5. Februar von früh 3 ½  bis abends 6 ½  Uhr zu Hilfeleistungen in den überschwemmten Stadtteilen 14 mal alarmiert und rückten mit je einem Löschzug 6 mal zu Feuer und 8 mal mit dem Rettungswagen zu sonstigen Hilfeleistungen aus.

Die von der Feuerwehr in Sicherheit gebrachten Personen, welche sich in hilfloser Lage befanden, betrugen weit über 100.

16 Menschen, darunter mehrere schwerkranke, wären un­rettbar verloren gewesen, wenn sie nicht durch die Mannschaften der Feuerwehr gerettet worden wären.

Die Rettungsarbeiten wurden ungemein erschwert durch die starke Strömung des Wassers in den Straßen und durch die herrschende Finsternis, da die Gasbeleuchtung in den meisten Straßen, infolge der Überschwemmung erloschen war.

Trotz der großen Gefahren, welchen einzelne ausgesetzt waren, hat sich das Rettungswerk ohne jeden Unfall vollzogen.

Ein aufregender, verantwortungsvoller, ungefähr 30 Stunden dauernder Dienst oblag den Beamten und Mannschaften der Feuerwehr.

Warmer Dank wurde ihnen seitens der städtischen Behörde und der Bürgerschaft ausge­sprochen für ihre oft mit eigener  Lebensgefahr verbundenen Leistungen.

Der Verwaltungsbericht der Stadt Nürnberg aus dem Jahre 1909 würdigt ebenfalls die Arbeit der Retter.

Die vom Hochwasser eingeschlossenen Menschen wurden zum Teil in mühseliger und aben­teuer­lichen Weise aus ihren Häusern geholt. Die Feuerwehr leistete großes in diesen Tagen.

Der Bericht des Führers (= Dienstgrad bei der Feuerwehr) Johannis Kästner über seine Tätigkeit im Hochwas­sereinsatz.  (StadtAN F 5 Nr. 710).

Bericht des Johannis Kästner.

Ich war in Tätigkeit von Donnerstag abends 8 Uhr bis Samstag Nachmittag 5 Uhr ununterbrochen in der Neuen Gasse, Tucherstrasse, Wunderburgstrasse, Hans Sachs­platz, Sonnengasse, Ebnersgasse, Heugasse, Sand- und Binsengasse.

Erste Tätigkeit war : Durch Hilferufe wurden Führer Kästner & Wehrmann Friedrich, städtischer Zim­mermann, in die Neue Gasse gerufen. Daselbst war Trödler Langsam in der Gefahr zum Ertrinken. Er hatte sich auf Kisten geflüchtet, musste herausgeholt und in den I. Stock geschafft werden.

Durch weitere Hilferufe mussten wir Beide in die Sonnen­gasse links das letzte Haus direkt an der strömenden Pegnitz. In grosser Anstren­gung von Haus zu Haus handelnd, trafen wir in höchster Not eine Familie in der Par­terrewohnung an. Einen kranken Mann in Bett in Wasser liegend, ein kleines Kind im Kinderwagen, 3 Kinder mit der Mutter auf dem Tisch. Wir mussten sämtliche Leute, das Wasser ging uns bis an die Schulter, in den I. Stocke schaffen.

Um noch 2 Mann zu holen zur Aufräumung der Möbeln, fuhr Führer Kästner allein in die Neue Gasse, wurde von der Strömung mit aller Gewalt in die Neue Gasse geschleudert bis an den Historischen Hof.

 Hatte Zusammenstoss mit städtischen Wehrleuten, Scharf I und Schultheiss, dessen Kahn unterging, es war noch 2 Zivilpersonen darin. Wir 3 Feu­erwehrleute fielen ins Wasser, die 2 Zivilpersonen sprangen in den leeren Kahn. Nachdem wir uns auch in den Kahn wieder gerettet hatten, mussten wir die Civil­personen, welche um keinen Preis mehr mitfahren wollten, 1 Mann in den I. Stock vom Historischen Hof schaffen, wo man gerade vom Kahn aus das Fenstergesims des I. Stockes erreichen konnte, so hoch war das Wasser. Den anderen Mann brach­ten wir in das Haus nebenan unter. Die Leute riefen uns zu, doch in der Strömung nicht mehr weiter zu fahren und auch dazubleiben. Wir sagten passierte was will, wir müssen weiter. Wir probierten in die Sonnengasse zu kommen, war uns aber unmöglich, die Strömung riss uns immer wieder retour. Mussten deshalb auch Fried­rich in der Sonnengasse lassen, wo er erst Samstag früh befreit wurde. Scharf 1 wurde dann an die Heubrücke gefahren, um sich umzuziehen, weil er auch ganz durchnässt war.

 

Heubrücke

 Heubrücke - Blick nach Norden mit max. Hochwasserabfluss am 5. Feb. 1909 (Historische Ansichtskarte)


Vom Spitalplatz bei der Spitatgasse tönten uns gellende Hilferufe entgegen. Es hatten sich schon 1 1/2 Stunden vorher zirka 12 Personen auf die Staf­feln beim Eingang in die Spitalkirche geflüchtet, wo sie das Wasser bereits bis an die letzte Staffel umflutete. Führer Kästner u. Wehrmann Schultheiss mussten das Trottoir entlang bis an die Stufen fahren, weil das Wasser zu stark in die Spitatgasse strömte. Mit 2 mal hin und herfahren retteten wir diese Leute an die Heubrücke, wo die letzten gerade noch die Brücke passieren konnten, so hoch war schon das Wasser. Von da aus fuhren wir in die Ebnersgasse und in die Tucherstrasse u. an das Elektrizitätswerk wo wir einige kleine Arbeiten verrichteten, welche nicht der Mühe wert sind um sie aufzuführen. In der Tucherstrasse angekommen, wurden wir sofort mit Revolverschüssen und Hilferufen empfangen.

Mit äußerster Anstrengung ge­langten wir bei dieser grossen Strömung und stockfinsterer Nacht, die Laternen waren ausgegangen, teilweise bis an das Haus vom H. Niedermeier Conditor. Er selbst sass noch in den Parterrräumlichkeiten auf einem Schrank, das Wasser hatte höchs­tens noch 1 Meter bis an die Decke. Er wurde in den I. Stock geschafft.

Von da aus fuhren wir zum H. Kestner Holzschnitzer konnten mit dem Kahn in den Hof fahren und retteten die Spezereihändlerin mit noch 2 Männern an das Stiegenhaus. Von da aus fuhren wir an die Heugasse retour.

 

Agnesbrücke

 Die Agnesbrücke. Im Hintergrund Feuerwehrleute bei der Versorgung von Eingeschlossenenvom Boot  aus. (Historische Ansichtskarte)

Agnesbrücke

 

Die Strömung war so stark, dass wir mit knapper Not an das Cafe Fortum und in die Heugasse kamen. Wir waren alle Beide ganz erstarrt und dachten jetzt haben wir Ruhe. Es ertönten abermals Hilfe und Feuerrufe, Revolverschüsse aus dieser Rich­tung wo wir kurz vorher waren. Führer Kästner u. Wehrmann Schultheiss sagten sich da müssen wir nochmals hin und wenn alles hin ist. Bis an der Brust im Wasser wollten wir unsern Kahn um die Ecke bringen war uns aber unmöglich. Den Kahn riss es mit uns an das Haus vom H. Weinberger Herdfabrikant. Mit knapper Not und äusserster Anstrengung brachten wir ihn wieder zurück in die Heugasse. Feuerwehrleute kamen gelaufen und sagten es brennt in der Tucherstrasse. Wir zogen darauf unseren Kahn die Heugasse, Prechtelgasse und in die Wunderburgstrasse dem Pflaster entlang.

2 Löschzüge warteten schon daselbst. Führer Kästner, die städtischen Wehrleute Schultheiss, Hufnagel u. Grauvogel fuhren dann mittels Leinen in die Tucherstrasse, wo in den unteren Räumlichkeiten eine Petroleumlampe explodiert war. Mit harter Mühe brachten wir den Laden frei das Wasser stand schon 20 cm unter der Decke. Feuer sahen wir keines blos Petroleumdampf. Wir beruhigten die Leute und fuhren wieder retour. Zeit dieser Vorkommnisse war von 2 bis 6 Uhr früh. Von da an hatten wir kleinere Arbeiten zu verrichten. Um 9 Uhr vormittags konnte ich erst nach Hause, um meine ganz durchnässten teilweise gefrorenen Kleider u. Wäsche zu wechseln. 3/4 10 Uhr war ich schon wieder in der Wunderburgstrasse. Hier fuhr abwechslungsweise Kästner, Hufnagel, Biermann u. Rost, Proviant zu den Leu­ten in die Tucherstrasse und beförderten auch Leute hin und her.

Wurden Samstag früh 1 1/2 Uhr abgelöst, begaben uns auf die Hauptfeuerwache in Umwegen wegen dem Wasser. Um 1/2 5 Uhr gingen wir wieder auf unsre Posten. Füh­rer Kästner und Wehrmann Biermann nahmen einen Kahn von der Schmausengasse, fuhren den Sand herum, wo wir vollauf zu thun hatten in der Neuengasse, Tucher­strasse und den Nebengassen, Hans Sachsplatz. Dazu die Leute zu befördern, das Wasser war schon bedeutend gesunken, mussten aber doch noch mit der grössten Anstrengung in der Neuen Gasse arbeiten, denn das Wasser strömte noch sehr stark durch die Seitenstrassen in die Neue Gasse. Um 9 Uhr an der Ebnersgasse be­kamen wir den Auftrag von einem Schutzmann in die Spitalgasse zu fah­ren, beim Gaswerk wären Leute zu ho­len.

1/3 des Spitalplatzes war schon frei von Wasser. Kästner ging deshalb zu Fuss an die Spitalgasse um zu sehen was los war. Versank an der Ecke mit dem Trottoir, welches unterspült war, in die Tiefe (bei Uhrmacher Kunze wo es einen Teil des Pflasters und das Erdreich herausarbeitete). Mit knapper Not und einigen Wasserschlucken kam ich wie­der in die Höhe, denn die schweren Wasserstiefel zogen mich wie Bleiklum­pen. Leute halfen mir herauszukommen. H. Pfarrer Schiller wollte nach der Sani­tätswache telephonieren. Ich schlug es ab mit dem Bemerken, herüberfahren können sie so nicht. Ich wohne in der Ka­tharinengasse No. 3 und habe nicht weit nach Hause zu gehen. Begab mich dann selbst nach Hause in langsamen Tempo, weil es das Gehen mir recht erschwert.

Um 3/4 10 Uhr war ich schon wieder am Platze. Führer Kästner fuhr dann mit Wehrmann Dötzer am Sand u. Fischergasse. Um 3 Uhr wurde Kästner von den städtischen Wehrmann Meier gerufen weil es in dem Haus Ecke Schmausengasse u. Grübelstrasse brannte. Es war ein Balkenbrand. Mit Hilfe eines weiteren Feuerwehrmanns des städtischen Zimmermanns Grillenberger konnten wir nach 1 Stunde wieder abtreten. Um 5 Uhr Samstag Nachmittag war meine Tätigkeit zu Ende. Hier­mit schliesse ich meinen Bericht.

Schießhaus

 

Herrenschießhaus

Dieser uns erhaltener Bericht, ist ein anschauliches Dokument das zeigt, mit welchem Einsatz, meist auf sich alleine gestellt, die Wehrmänner agierten.

Z. B. der Feuerwehrmann (obiges Bild) mit langem Mantel gegen die Kälte geschützt aber ohne Schwimmweste oder Sicherungsleine für sein Boot, heute so nicht mehr denkbar.

Man darf auch nicht vergessen, dass es keine modernen Kommunikationsmittel (Telefon- und Telegrafenleitungen waren ausgefallen) gab. Das Gaslicht der öffentlichen Straßenbeleuchtung war abgeschaltet oder erloschen und die Auflage an die Hausbesitzer, bei Hochwasser Fackeln aufzustellen, wurde kaum ausgeführt.

Die vom Hochwasser überraschten Bewohner kämpften ja ums nackte Überleben und hatten andere Sorgen. Ihren Helfern in durchnässter und zu Eis erstarrter Einsatzkleidung (es war Winter) erging es manchmal ebenso.

Ganz prekär, vor allem in den engen Gassen herrschte eine sehr starke Strömung und brachte die Retter oft selbst in größte Not.

Fünzig Jahre nach der Katastrophe die Titelzeile der Nürnberger Nachrichten.

 

NN 1959

 Im Innern des Blattes erfahren wir Genaueres.

 

NN 1959

Gasthaus zur Pegnitz

 Die Rettungsaktion über das Dach mit Hilfe einer Leiter. Historische Ansichtskarte

(auch StadtAN A76)

Im Hintergrund das Männereisen und das Gebäude des Noris Stift.

 

Gasthaus zur Pegnitz

 Grußkarte aus Nürnberg, der Steg war vom Hochwasser überflutet, der Fluchtweg abgeschnitten.

Im Hintergrund die Heubrücke. Heute steht an der Südwestseite eine Tafel die an diese Rettungstat erinnert.

 

Die Nürnberger Nachrichten vom 31.1. / 1.2 1959 fahren im Inneren des Blattes fort:

Weit gefährlicher war die Situation für die Inwohner einiger Häuser auf der Kleinweiden­mühle, bei denen die Feuerwehr vor einer bei­nahe unlösbaren Aufgabe stand. Als sie nämlich vom Nachbarhaus die Bergungsaktion einleiten wollte, mußte das Haus panikartig geräumt wer­den, da es im nächsten Moment teilweise zusam­menstürzte. Stundenlang kämpften sich die wackeren Retter an die vollkommen verzweifelten Leute heran, denen keine Hilfe mehr gebracht werden konnte, wenn das Haus einstürzte. Man sah fast keine Chance mehr, als die Fluten lang­sam zu sinken begannen. Am nördlichen Ufer stand der Oberbürgermeister Dr. von Schuh und rief den Verzweifelten Mut zu, bis es dann nach langen, schweren und gefährlichen Bemühungen gelang, die Leute zu bergen.

Im pausenlosen Einsatz mußte die Feuerwehr während der Nacht den Eingeschlossenen, für die es kein Wasser und Licht gab, mit Lebensmitteln versorgen, Kranke aus den Häusern holen und ins Krankenhaus transportieren. Auch aus ge­fährdeten Häusern am Maxplatz und zwischen den Fleischbänken mußten Menschen gerettet werden. Es gab viele Schlaganfälle und Nerven­zusammenbrüche. Stundenlang mußte die Feuer­wehr im Fackelschein Hilfe leisten.

Zwei Menschenleben forderte die Hochwasser­katastrophe. Sozusagen am Rande des grausigen Geschehens büßten zwei ganz junge Menschen ihr Leben ein: ein sechzehnjähriger Lehrling fuhr in der Nähe des Westfriedhofs mit einem Brett auf den Fluten, stürzte ins Wasser und konnte nicht mehr gerettet werden. In der Nähe versuchte ein Zweiundzwanzigjähriger, Gegen­stände aus der Flut zu fischen, stürzte ins Wasser und wurde erst nach Tagen als Leiche geborgen.

Schlimm genug, trotzdem nur zwei Menschenopfer waren zu beklagen (Haustiere, Pferde etc. werden nicht erwähnt), nicht zuletzt der Einsatz der Nürnberger Feuerwehr verhinderte wohl weitere Opfer.

Mehr Glück hatte ein Straßenbahner, der auf dem Lederersteg von den Fluten überrascht wurde und so lange auf einem Baum bleiben mußte, bis ihn die Feuerwehr retten konnte.

 

Lederersteg

 Blick nach Osten. Auf einen dieser Bäume mag sich der Straßenbahner wohl in Sicherheit gebracht haben.

Wolfermann’s Bericht (1909) endet mit den Worten :

Schätzenswerte Lehren und Erfahrungen zur Verbesserung der Hilfeleistung bei Hoch­wasser wurden durch die Katastrophe gewonnen und sofort wurde an die Durchführung dieser Ver­besserungen gegangen, um gegen ein allenfalls wieder vorkommendes derartiges Ereignis wohl vorbereitet zu sein.

Warum diese Eile?

Das Hochwasser war doch relativ rasch abgeflossen und man musste doch zuallererst mit der Schadensbehebung (nach amtlicher Schätzung betrug der Gesamtschaden über 4,6 Millionen Mark) be­ginnen.

Das hydrotechnische Büro hatte erneut gewarnt, dass der Boden nördlich der Donau bis zu einer Tiefe von 70 cm gefroren sei und bei ähnlichen Verhältnissen (Tauwetter und Starkregen) eine weitere vielleicht noch höhere Flutwelle drohe.

An dieser Stelle sei nochmals an den Erlebnisbericht des Feuerwehrmannes Johannis Kästner (in dieser Schilderung weiter vorne) erinnert.

Bei den Rettungs- und Versorgungsarbeiten waren wegen der in den engen Gassen herrschende starken Strömung  Rettungsboote umgeschlagen, der Fahrverkehr gestaltete sich äußerst schwierig und sehr gefährlich.

Es wurden daher die sofortige Anschaffung von Fährleinen beschlossen.

Vorerst sollten mehr als 150 Ringe, im gesamten Stadtgebiet von Wöhrd bis Johannis an den Häusern angebracht, Verankerungs- und Haltepunkte für diese Leinen bilden.

Die Ringe wurden umgehend in den Werkstätten der Feuerwehr von Feuerwehrleuten, die auch als städtische Handwerker tätig waren, gefertigt.

Sie wurden so angebracht, dass man ein vollständiges Netz bilden konnte, was im Bedarfsfall den Einsatz von gleich mehreren Booten ermöglichen sollte.

 

Ringe an Gebäuden

 Bild entnommen aus “Nürnberger Altstadtberichte Nr. 13”.

Im Jahre 1988 erklärte Kurt Müller, warum an manchen Alststadtgebäuden solch sonderbare Eisenringe angebracht waren, ihr Zweck war längst in Vergessenheit geraten.

Dies war unbedingt nötig weil bei Bränden oder Hauseinstürzen im Überflutungsgebiet mit vereinten, starken Kräften Hilfe geleistet werden musste.

Fast 7 km Fährleinen, die zur Befestigung an den Ringen mit Karabinern versehen waren, wurden angeschafft und nach genauer Kennzeichnung zentral auf der Feuerwache West auf den “Hochwasserboden” hinterlegt.

Spital 1  Spital 1

Spital 1  Spital 1

Die gezeigten Ringe befinden sich im Seniorenheim auf der Insel Schütt.


In Übersichtsplänen, gefaltet und handlich in Taschenformat, wurde festgehalten wie diese Seile anzubringen waren. Jeder Fährmann wurde damit ausgestattet.

Kahnbezirke

 Auschnitt aus einen Übersichtsplan in Taschenformat, bezeichnet mit Kahnbezirk 2.

Im rechten Planabschnitt, Wespennest Hs.-Nr. 3  das erwähnte Gasthaus zur Pegnitz. Bei Kahn Nr. 10 (grün) , heute die einzige Lände an der Pegnitz in der Altstadt.

 

Übung an der Lände

 Um 1970. Die Mannschaft der Feuerwache Ost beim Üben, nämlich das Zuwasserlassen eines Pontons an der Lände unterhalb der Heubrücke.

 

Für das gefährdete Gebiet standen 43 Kähne und 98 Stangen, auch Fahrbäume genannt, zur Verfügung. Jedes Boot war mit zwei Mann der Wasserwehr besetzt.

Aus 83 Mann der städtischen und 63 Mann der freiwilligen Feuerwehr Nürnbergs wurde eine spezielle Wasserwehr gebildet. Alle Mann mussten Schwimmen können, sie führten bei ihren Einsätzen neben dem Schlauchhalter zusätzlich eine Leine mit und hatten im Einsatz als besonderes Kennzeichen am linken Ellbogen ihrer Feuerwehruniform eine blaue Armbinde mit aufgenähtem weißen W zu tragen.

Das gutgemeinte Angebot des Marine- und Ruder- Vereins an den Stadtmagistrat, ihre Mithilfe bei Hochwasser anzubieten wurde mit dem Hinweis, sie sollten stattdessen der freiwiliigen Feuerwehr beitreten und diese personell verstärken,dankend abgelehnt,.

Im Interesse eines einheitlich geführten Einsatzes genüge es eben nicht, nur im Umgang mit Booten geübt zu sein, auch Kenntnis in der Handhabung der übrigen zahlreichen Geräte der Feuerwehr sei erforderlich, so die Begründung.

 

Kahnübung

 Mannschaften der Ostwache* bei einer Übung mit Hochwasserkähne, im Mögeldorfer Flussbad aus dem Jahre 1929. Das Flussbad befand sich unterhalb der Flußstr./ Ecke Thumenberger Weg.

 

*Die Schreibweise der Feuerwache Ost hat im Laufe der Zeit gewechselt. Heute  FW2.

Das Hochwassermeldesystem , sowie und die öffentlichen Warnungen wurden ebenso ver­bessert wie die Erstellung eines Alarmplanes, der insgesamt 48 Gebäude umfaßte. 134 Haushaltungen mit mehr als 500 Menschen sollten demnach bei schweren Hochwasser vorsorglich und rechtzeitig evakuiert werden.

Die Verantwortlichen glaubten sich gerüstet, die befürchtete zweite Flutwelle blieb glücklicher­weise aus.

1911 wurde von Seiten des Königreichs Bayern die Notwendigkeit der Durchführung von Hochwasserfreilegungen, speziell in der Nürnberger Altstadt, erkannt.

Wie so Vieles verhinderte der 1. Weltkrieg die Umsetzung der Maßnahmen.  Die Nachkriegszeit mit Inflation und Wirtschaftskrisen trugen auch nicht dazu bei entschieden gegen eine erneutes Hochwasser vom Ausmaße wie 1909 wasserbautechnische Prävention, zuerst am Nadelöhr Museumsbrücke zur Fleischbrücke, zu ergreifen.

Die fürchterlichen Verwüstungen des darauf folgenden Weltkrieges, die Zerstörungen im Bombenkrieg, welche auch Nürnberg erleiden musste, trafen die historische Altstadt besonders hart.

Im Rahmen der Wiederaufbaupläne schien es angebracht auch die längst notwendige Fluß­regulierung mit einzubeziehen.

Das Hochwasser von 1909 (mit max. abzuführenden 430 Kubikmeter pro Sekunde), bildete die rechnerische Grundlage der Hochwasserfreilegungsarbeiten.

Eine Anzahl von Maßnahmen wurde ergriffen, einer, der wichtigste sei hier erwähnt:

Der Hochwasserstollen zwischen Fleischbrücke und Museumsbrücke, in den Jahren 1953/54 für 2 Millionen DM errichtet, ist das Herzstück.

Hochwasserstollen

 Vor dem Zusammenwachsen beider Stadthälften (Lorenzer und Sebalder Seite) konnte sich die Pegnitz bis fast zur Augustinerstr. ausbreiten. Aufschüttungen und Einengungen erzeugten den Flaschenhals. Erst der Hochwasserstollen schaffte Abhilfe.

 Insgesamt 12 Millionen DM für Hochwasserfreilegungen  wurden bis 1962 investiert und zumindest die Nürnberger Altstadt blieb seitdem von weiteren Hochwassern verschont. 

Hochwasserstollen Einlass

Linkes Bild, der Stolleneingang an der Museumsbrücke, der linke Bogen wurde bei der Wiederaufbau der Brücke zusätzlich errichtet.

Hochwasserstollen auslas 

Rechets der Auslass in Höhe der ehemaligen Schwabenmühle. 

 Trotzdem, gerade in Zeiten des Klimawandels und der damit verbundenen Starkregenereigisse, wird uns wieder bewusst, jedenfalls sollte es das, dass dem Wasser Raum gelassen, wieder Platz gegeben werden muss.

Der Siedlungsdruck mit Verbauung der Uferbereiche unserer Flüsse, die weiterschreitende Versiegelung der Böden haben sich eher beschleunigt und ähnlich wie im dicht bebauten Gebiet einer Großstadt wird es immer schwerer Rückhalteflächen (sogenannte Rententions­flächen) für zu erwartende Wasserfluten bereitzustellen.

Heute wissen wir, wie wichtig zur Dämpfung des Abflusses, solche Rückbau- und Freilegungs­maßnahmen sind.

Einteichung und Flussbegratigungen verlagern die Bedrohung nur weiter flussabwärts und erhöhen die Pegel (ob Rhein, Main Elbe, Oder, wo auch immer) von Jahr zu Jahr.

Dramatische Bilder von Menschenrettung  aus Wassernot, Hauseinstürze und Verwüstungen durch die ungezähmten Fluten werden uns auch künftig bekleiden.

Die Nürnberger Bevölkerung wurde siebzig Jahre nach dem Jahrhunderthochwasser der Pegnitz wieder an die Bedrohung durch die Elemente erinnert.

Nur diesmal war es nicht der Fluss, sondern der nur teilweise gefüllte Rhein – Main – Donau Kanal, dessen Damm am 26. März 1979 brach und den Ortsteil Katzwang überflutete. 

1979 erlebte Nürnberg seinen ersten Katastrophenalarm nach den Schrecken des Bomben­krieges, 350 Mann Feuerwehren, Sanitäter, Polizei und Bundeswehr bemühten sich stundenlang Menschenleben zu retten, denn sonst gab es nichts mehr zu retten. Das Wasser stürzte mit so ungeheurer Wucht in den Ort, dass es alles mitriss, was sich ihm in den Weg stellte.

Einem Mädchen wurde das Leben genommen. Es stand mit ihrem Vater zum Schutz vor den Fluten auf dem Balkon. Dieser brach weg, und beide stürzten ab. Bei dem Unglück gab es insgesamt acht Verletzte, 15 Häuser wurden zerstört.

Angesichts solcher Ereignisse hält es der Autor für nicht angebracht eine Katastrophen­rangliste der Hochwasser zu erstellen.

Die Hochwasserflut des Jahres 1909 wird oft als die Größte bezeichnet. Vergleicht man die Pegelstände mit denen vorausgegangener Fluten, so ist dies sicherlich richtig. 

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