Kirchturmbrand der Lorenzkirche 1865

Zusammengefasst von Helmut Adler (Januar 2006)

Es war am 6. Januar 1865 gegen Mittag, als sich drohende Wolken am Himmel zusammenballten und ein Windsturm losbrach. Unter  wildem Toben entlud sich zwischen 12 und 13 Uhr mit Regen, Schnee und Hagel ein Wintergewitter. Zehn Minuten vor 13 Uhr fuhr ein greller Blitzstrahl krachend in der Innenstadt nieder. Bald stellte sich heraus, dass der Blitz die Spitze des nördlichen Turmes von St. Lorenz getroffen und dort die Sparren gezündet hatte.

Kirchturmbrand Lorenzkirche

 

Es war nicht das erste Mal, mindestens 15 Blitzeinschläge - meist mit der Ableitung über die Kette des Taufsteindeckels zum Bronzetaufbecken im Kircheninneren - werden durch verschiedene Chroniken gemeldet. Die Folgen waren unterschiedlich, bis hin zu Personenschäden, als am Laurentiustag, dem 10. August 1401 ein Knabe am Taufstein tödlich verletzt wurde und am 06. Mai 1528 der Türmer an den Folgen eines Blitzschlages in sein Signalhorn verstarb. Der Türmer im Türmerstübchen (Jahrhunderte lang mit der Aufgabe betraut Feuer in der Stadt zu melden) hatte nicht bemerkt, welche Gefahr sich über ihm zusammenbraute. Von der Straße, von unten sahen Passanten  (fast eine halbe Stunde später) wie gegen 13.15 Uhr eine kleine Flamme aus der Luke von der südlichen Spitze des Kupferdaches am Nordturm hervorzüngelte.  

 

Lorenzkirche

 

Erst durch die sich rasch bildende Menschenmenge, die von mehreren Plätzen der Stadt das Schauspiel beobachtete, wurde der Türmer auf seine eigene Notlage aufmerksam, konnte aber  den vom heftigen Sturm angefachten Flammen selbst nicht Herr werden, zumal das Löschwasser in einem Kupferreservoir, wegen der herrschenden Kälte eingefroren war und auch die rasch nach oben geeilten Helfer mussten tatenlos zusehen, wie der Brand weiter um sich griff.

 

Lorenzkirche

 

 

Feuersignale ertönten und Feuerwehrleute eilten herbei. In Kübeln wurde das Wasser bis zum unteren Rand des Schallloches emporgezogen. Mit drei Krückenspritzen rückte man den Flammen zu Leibe. Doch das Wasser zerstob zum großen Teil und fiel als Regen auf die Feuerwehrmänner zurück. Durch die Glut blätterten die vergoldeten Dachplatten ab, die kupferne Bedachung fiel Stück für Stück dem Feuer zum Opfer.

 

 

Weil die Wasserleitung erst ab vier Uhr. Wasser gab, wurde Wasser in der Pfannenschmiedgasse aus dem Fischbach und bei der Museumsbrücke aus der Pegnitz entnommen, Schlauchleitungen wurden über die Wendeltreppe des Turmes hinaufgelegt, doch einer platzte wegen des steilen (gemeint ist des zu hohen) Wasserdrucks.

Obwohl„die Retter nicht lässig waren"  , wie ihnen mehrfach in der Chronik bescheinigt wird, waren  abends um 10 Uhr Gebälk und Rippenwerk zusammengestürzt und damit dem Beispiel des Turmhelmesund der Glocken gefolgt. Nach dem Schrecken der Nacht meldeten sich auch damals schon  „kluge Leute, die mit ihren  Ratschlägen in der Regel nachgehinkt kommen, und wollten es besser wissen"  wie die Feuerwehr  vorgegangen ist. Zahlreicher aber waren die Spender, die für einen neuen Turm (Kostenpunkt 40 000 Gulden) Geld gaben. 17 000 Gulden brachte die Bürgerschaft vom Fabrikbesitzer bis zur Witwe und Köchin auf, 14 000 der Magistrat der Stadt und 1 000  „huldreich" König Ludwig II. Bei Jahresende „strebte die  schlanke Spitze wieder zu den Wolken empor und das Gold ihrer Bedachung erglänzte, wetteifernd mit Kugel und Hahn im Strahl der Sonne wie ehedem".  

Nürnberger Nachrichten vom 6./ 7. Januar 1965

Die Solidarität zur Bürgerkirche hatte sich wieder bewährt. Bemerkenswert ist, dass die Entscheidung für den Wiederaufbau des Turmhelmes kurzfristig zugunsten einer zeitgemäßen und technikgeschichtlich fortschrittlichen Bauweise - der Ausführung in Schmiedeeisenkonstruktion - erfolgt ist. Der Schock der erlebten Brandkatastrophe haben, wie die Erfolge der aufstrebenden Metall verarbeitenden Industrie in Nürn-berg. Unter der Leitung des städtischen Baurates Bernhard Solger wurde, der vom technischen Direktor der Cramer-Klett'schen Fabrik, Ludwig Werder, konstruierte, und berechnete den Turmhelm aus 8 mm starkem Ei-senblech in kurzer Zeit gefertigt, sodass bereits am 12.8.1865 die Heimzier wieder aufgesetzt werden konnte.Wohl unter dem Eindruck der Blitzkatastrophe schenkte der Nürnberger Fabrikant Georg Seitz eine 300 Fuß lange und 1/3 Zoll starke Kupferstange für den Blitzableiter, der neben weiteren Ableitungen noch heute seinen Zweck zufrieden stellend erfüllt. Wie stark die Brandkatastrophe im Bewusstsein der Bevölkerung und der Verantwortlichen nachgehalten hat, zeigen die Konsequenzen, die beim Brandschutz gezogen wurden. Einige seien benannt:

Um mit der Wasserleitung nie in Verlegenheit kommen zu können, was bei Störung im Betrieb der beiden Wasserwerke oder momentan größeren Verbrauch an Wasser wohl der Fall sein könnte, ist dem schon Eingangs erwähnten (an anderer Stelle H.A.)Hochreservoir die Vorrichtung getroffen, daß dasselbe sich für den täglichen Bedarf nur bis zur Hälfte seines Inhalts entleeren kann, während die andere Hälfte in einer Quantität von 15 000 E. (Eimer H.A.)  als eisener Bestand lediglich für Brandfälle reserviert bleibt. Unterstützt wird die Wirkung der Wasserleitung auf einem Brandplatze wesentlich durch das Vorhandensein einer Anzahl von Absperrschiebern, welche dem Röhrennetze der Stadt vertheilt durch entsprechende Stellung gestatten, den gesammten Wasserdruck und die gesammte Förderung der Wasserwerke auf einzelne Stadttheile zu konzentriren.“

VB 1869-Stadt AN

„Für den Wasserbedarf ist gesorgt: durch die Pumpbrunnen, dem Fischbach, die Pegnitz und durch die Wasserleitung von Tullnau, an welcher 113 Nothpfosten angebracht sind, durch welcher in den niedrigen Lagen auf 160' Höhe (vermutlich Fuß = ca. 53 mWs H.A.) direkt vom Nothpfosten gespritzt  werden kann, während in den höheren Lagen diesselben durch Anwendung der Sauger der freiwilligen Feuerwehren zum Spritzen genügend Wasser liefern, wenn noch dazu durch die zur Abstellung des Wassers angebrachten 7 Schuber  (Wasserschieber H.A.)  das sämmtliche Wasser nach  der treffenden Stadtseite konzentrirt wird, zu welchen Zweck eine eigens hierzu abgerichtete Person bei Nacht Wache im Schwabenmühlgebäude hält. Das Hochreservoir enthält einen Wasserstand von meist 15 000 Eimern, so daß auch bei Betriebsstörung des Tullnauer- oder Schwabenmühl- Werks in Unglücksfällen jeglichen Wassermangel dadurch vorgebeugt ist. (...) Ununterbrochen sind Wachen zur sofortigen Signalsirung eines ausgebrochenen Brandes auf dem Vestner-, Sebalder-, Lauferschlag-, Lorenzer- und Weißenthurm, welche nach neuesten Beschlüssen unter sich und mit den fünf Feuerwachen im Rathhaus, am Lauferthor, im Unschlitthaus, Bauhof und Spittlerthor durch einen Telegraphen verbunden werden.“

Im 1879 ist im VB zu lesen:  Später nach Anschaffung der ersten Dampfspritze (1886) wurden diese Schläuche auch „Dampfspritzenschläuche“ genannt. Sie dienten zur Wasserförderung über längere Wege und große Höhen. „Ferner wurden mit Ende des Jahres 11 Polizeistationen, die Centralfeuerwache, das Krankenhaus und die beiden Hochwachen am Lorenzer- und Vestnerturm mit Fernsprechapparaten versehen und können an diesen aus sowohl Feuermeldungen als auch dienstliche Anzeigen an die Centralfeuerwache erstattet werden. Durch den Telegraphen wurden 29 Feuer im Stadtbezirk und 18 weitere von der Stadt entfernt gelegene Landfeuer gemeldet.“  “Fränkischen Kurier” wird “Die Übung der Feuerwehrabtheilung des Turnvereins Nürnberg am nördlichen Thurm der Lorenzkirche”  vom 27. September 1874 um 7 Uhr morgens geschildert.  Mit “disboniblen vierrädrigen Spritzen”  übten die Mannschaften der drei Feuerwachen der Lorenzer-  Stadtseite an der Lorenzkirche. Schlauchführer und Steiger der IV. Abteilung zogen in mühsamer Arbeit die Schläuche empor und die Spritzenmannschaft beförderten mit ihren Handdruckpumpen das Löschwasser in die gewünschte Position. Die Übung, die umfangreich angelegt war und auch Menschenrettung, Mobiliarbergung, sowie die Absperrung des Brandplatzes und das Bereitstellen von weiteren Reserven beinhaltete, war erfolgreich verlaufen. Das Einschalten verschiedener Pumpen, die Wasserversorgung und das Betreichen des Kirchenschiffes aus mehreren Rohren zeigten den Zuschauern die Leistungsfähigkeit der Löschmannschaften.„endlich 6 Stück Thurmschläuche 86 m lang mit 65 mm Durchmesser“  [gekauft].

VB 1884- Stadt AN

Die Erprobung, der im August 1886 von der Leipziger Firma Jauk gefertigte zweizylindrige Dampffeuerspritze am Nordturm der Lorenzkirche wurde, im gleichen Jahr veranlasst. Ihre Leistung mit 1.500 l/min bei 13 bar fiel zur Zufriedenheit überzeugend aus. Eine Schlauchleitung war dabei bis zum obersten Schalloch verlegt und versorgt worden. Voraussetzung für die Anschaffung der maschinengetriebenen Pumpe war auch, mit zwei Pferden bespannt den Burgberg zu meistern und dort – vom Wasserhochbehälter gespeist- ihre Leistungsfähigkeit zu demonstrieren, so geschehen bei der Anschaffung, Geschenk an die Stadt durch die München- Aachener Feuerversicherungsgesellschaft im Werte von 10 000 Mk., einer zweiten Dampfspritze."

Im Zuge der umfangreichen Instandsetzungsarbeiten an der Kirche wurden im Jahr 1912 auf Empfehlung des Branddirektors Sandberg starre und trockene Steigleitungen aus Mannesmann- Rohren mit mehreren Schlauchanschlussstellen in verschiedenen Geschossen eingerichtet, um.: im Brandfalle durch Anschluss der Dampfspritze auf Straßenebene eine sofortige Bereitstellung des Löschwassers zu gewährleisten. Noch heute stellen diese Steigleitungen, zusammen mit den damals schon eingebauten Brandschutztüren das Gerüst des Feuerschutzplanes der Lorenzkirche, als Baudenkmal von nationaler Bedeutung, dar. Sie versorgen insgesamt 10 Entnahmestellen unterschiedlicher Bestückung.

 

 

 

Aktuelles
17.09.2017
Mainleus
10:00 Uhr
3. Feuerwehr-Oldtimertreffen der Feuerwehr Mainleus

30.09.2017
Kongresshalle
10:00 Uhr
ABGESAGT!!! Reinigungsdienst 2017

1537437
 
Impressum