Kirchenbrand St. Georg (Pyrbaum) "25. April 1926"

Verwaltungsbericht 1926 / 1927

Bericht der Berufsfeuerwehr Nürnberg

Am 25. April 1926 vormittags um 11.45 Uhr ersuchte die Gemeindeverwaltung Pyrbaum i.d. Opf die Branddirektion um Hilfeleistung, da die protestantische Pfarrkirche dortselbst in Brand geraten war.

St. Georg (Pyrbaum)

St. Georg nach 1926   Bild: Wikipedi Dalibri

Um 11.50 Uhr rückten daraufhin der Überlandpumpenwagen und der Personenwagen der Westwache, nachdem sie soweit irgend möglich mit Schläuchen ausgerüstet worden waren, ab. 

Die 36 km große Strecke wurde in knapp 45 Minuten zurückgelegt.

Beim Eintreffen an der Brandstelle zeigte sich, dass der Dachstuhl des Kirchenschiffes bereits in sich zusammengestürzt war. Der Dachstuhl des Kirchturmes, sowie das Innere des Kirchturmes mit dem Glockenstuhl waren bereits bis in Höhe des 1. Stockwerkes vollständig vernichtet. Auch hatte das Feuer schon die Sakristei, welche im Erdgeschoss des Turmes lag, ergriffen und drohte von hier aus auf das Innere des Kirchenschiffes überzugreifen.

Durch die Vornahme von 2 C-Leitungen gelang es, das Feuer an der Sakristei abzuschneiden und ein Übergreifen auf das Kircheninnere vollständig zu verhindern. Durch 2 B-Leitungen, welche aber nur verhältnismäßig kurze Zeit in Tätigkeit waren, wurden die riesigen Glutmassen, welche, vom Dachstuhl herrührend, auf dem  massiven Gewölbe des Kirchenschiff lagerten, abgelöscht.

Gegen 4 Uhr Nachmittags war das Feuer soweit gelöscht und die Brandstelle soweit aufgeräumt, dass die weiteren Arbeiten den freiwilligen Feuerwehren von Pyrbaum und Umgebung überlassen werden konnten. Das Löschwasser wurde aus einem 200 m von der Brandstelle entfernten Weiher entnommen. Als Brandursache wird angegeben, dass durch den sehr starken Sturm Funken aus dem Kamin der Türmerwohnung auf das über der Türmerwohnung lagernden Brennholz getrieben wurde.

Bemerkt sei noch, dass die Gemeindeverwaltung bereits um 10 Uhr um Hilfe gebeten hat, sich aber wegen der Übernahme der Kosten für die Löschhilfe nicht schlüssig werden konnte, sodass zunächst die Entsendung des Pumpenwagens unterblieb.

Um 5.15 Uhr kamen die Fahrzeuge wieder nach der Westwache zurück.

 

Bericht im Mitteilungsblatt des Markt Pyrbaum (01 und 02; 2011)

Erstellt durch das Archivteam, Horst Schrödel

 

Der Brand der evang. Kirche in Pyrbaum am 25. April 1926

 

st georg pyrbaum

St. Georg vor 1926

Der 25. April 1926, ein Sonntag, war ein äußerst kritischer Tag für unsere Gemeinde, ein Tag der Aufregung, des Schreckens, der Angst und Bange und mühevoller anstrengender Arbeit. In aller Frühe heulte der Süd-Süd-Ost Wind, als wenn er Unheil verkünden wollte. Die Leute von Auswärts, welche in der Frühe vor dem Gottesdienst zu mir kamen, äußersten sich, dass der Sturm schon Bäume umgerissen, Äste liegen auf den Wegen: es wäre unheimlich in dem Wald, es sei ein abscheulicher Sturm, was wird er wohl bringen?

Es läutete zum Beginn des Gottesdienstes, es war Beichte und Abendmahl, dadurch verzögert sich immer der pünktliche Beginn des Gottesdienstes. Der kath. Gottesdienst war daher etwas früher zu Ende und die Leute bemerkten bei ihrem Herausgehen, dass Rauch oben auf dem Turme unter der Kuppel und gleich auch Feuer sich bemerkbar machte und sofort machten dieselben Lärm und läuteten auch sofort Feueralarm auf dem Turme, so dass die Glocken ihr eigenes Grabgeläute läuteten. Herr Pfarrer Haemmel war noch auf der Kanzel und war mit der Predigt noch nicht zu Ende als der Ruf „Feuer“ erscholl.

Der Gottesdienst wurde sofort abgebrochen, alles strömte zu den Ausgängen, niemand wusste wo es brennt, es leerte sich die Kirche, jedoch mit Geistesgegenwart und besonnener Ruhe.

Ich selbst war zu Hause in meinem Amtszimmer mit Schreibarbeiten beschäftigt, stand gerade auf, als die Magd des Jul. Zinner von der Kirche kommend vorbeiging, ich rief dieselbe herein und zahlte ihr einen kleinen Betrag aus. Kaum war die selbige weg, kam sie zurück, klopfte an das Fenster „es brennt“ und das Läuten begann auch schon. Ich dachte mir, dieses kann heute was werden. Beim Hinaustreten vor das Haus sah ich wie auf dem Turme das Feuer in der Nähe des Kamins, schon zwischen Stein und dem Anfang des Aufbaues unter der angebrachten Dachrinne heraus schlug. Frau Hirschmann machte ihre Betten und hörte auf einmal ein knistern, sie machte die obere Türe auf und sah Rauch und Feuer.

Das Feuer hatte in den starken Hölzern der Kuppel viel Nahrung, es brannte weiter, machtlos schauten alle nach oben und langsam nach unten. Ich ging sofort ans Telefon und ließ durch die Agentin Frau Schwänzel sämtliche umliegenden Gemeinden um Hilfe rufen, auch die Autospritze Neumarkt, welche aber um das Unheil voll zu machen defekt war, dann schaltete ich sofort das elektrische Ortsnetz aus.

Nachdem Neumarkt zur Antwort gab die Autospritze wäre defekt, wurde Nürnberg um Hilfe angerufen, aber es wurden 3000.- Mk. Haftung verlangt, welche Forderung der Gend. Kommandant ohne vorherige Rücksprache mit mir nicht zugab. Dadurch, bis wir uns wieder trafen und Anschluss wieder erhielten, verging eine geraume Zeit, die Motorspritze fuhr sofort ab und war ungefähr um 1 Uhr hier.

Die umliegenden Feuerwehren waren bald eingetroffen und mussten die gefährdeten Anwesen in Schutz nehmen, denn am Turme und Kirche war voraussichtlich nichts zu retten. Inzwischen waren 17 Feuerwehren erschienen und hatten alle Arbeit, die durch den Sturm bedrohten Gebäude zu retten, Wasser war genügend vorhanden, alles trug und fuhr Wasser zu. Überall fing es an zu brennen, bei Frau Klein, Georg Klein, Georg Leykauf, Wild Hs. Nr. 88, Kittler Marg., beim Bachhofer brannte die Streu, das prot. Schulhaus war stark in Gefahr und Frau Bab. Schmidt. Alles war gespannt wie wird die Kuppel fallen! Der vormalige Bürgermeister Georg Bald berichtete in einer Niederschrift aus dem Jahre 1945 vom Brand der ev. Kirche im Jahre 1926.

Dieser Bericht wird hier wörtlich wiedergegeben.

 Alles war gespannt wie wird die Kuppel fallen! Zum größten Glück fiel dieselbe gegen den Wind, kopfüber an dem Turm herab vor die Sakristei. Inzwischen hatte das Feuer auch bis an die Glocken herab alles vernichtet und ging weiter abwärts. Nach 10 Uhr wurde das Feuer bemerkt und die Glocken schlugen noch 3/4 11 Uhr. Die Uhr ging noch länger und das Zifferblatt auf der Ostseite zeigt 10 Minuten vor 1/2 12. Das Feuer wütete weiter, machtlos sah man zu und es konnten nur die gefährdeten Gebäude geschützt werden.

Der Sturm heulte weiter, riss das Blech der Kuppel und der Dachrinne zum Teil weg, Funken und Trümmer Holz auf die Menschen und Anwesen schleudernd, so dass manches Kleidungsstück Feuer fing. Als die Kuppel herunten lag, galt es tüchtig zu löschen, damit das Feuer durch die hintere Eingangstür beim Altar nicht in das Innere eindringen konnte, zum Glück gelang dieses und auch von innen der Kirche Wasser an die Türen, hintere Eingangstüre und Sakristeitüre, gegossen bis sich die Leute vor Rauch nicht mehr halten konnten. 

 Im Turm brannte es abwärts bis auf einmal durch die Eingangstüre auf dem Kirchboden das Feuer das Dach der Kirche erreichte, welches schnell, zuerst eine mächtige Rauchwolke, und sich kaum jemand nahe halten konnte und zugleich alles in Feuer war. Nun galt es übermenschliche Anstrengung, dass das Feuer nicht weiter griff und zum Glück wurde alles erhalten, welches heute noch kaum zu glauben ist.

Nach Eintreffen der Motorspritze besichtigte der mitgekommene Brandingenieur das Brandobjekt und übergoß die noch auf dem Kirchengewölbe und in dem Turm liegenden noch glühenden und brennenden Trümmer, die Gefahr war nun beseitigt und alles schnaufte auf, es war kaum zu glauben, dass bei dem großen Sturm nicht mehr wegbrannte.

Das Kirchengewölbe, Kreuzgewölbe hat Stand gehalten, es zeigt wohl verschiedene Risse und es ist noch fraglich, ob es erhalten werden kann, oder eingelegt werden muss. Das Innere der Kirche ist gut erhalten. Die Glocken sind zum Teil geschmolzen und zersprungen, Trümmer wurden aus dem Schutt hervorgezogen. Der Schaden ist zum Teil durch Versicherung gedeckt, nur die Kirchturmuhr ist nicht versichert.

Dem Türmer Hirschmann verbrannte all sein Hab und Gut. Begreiflicher Weise wurde der ganze Ort und die ganze Umgebung durch das Unglück in große Aufregung versetzt. Scharenweise strömten die Leute aus allen Richtungen zum Brandplatz.

Namentlich auch von Neumarkt kamen die Leute mit Auto, Motorräder und Räder, per Bahn und zu Fuß Prozessionsweise herbei. Der Kirchplatz war von einer wogenden Menschenmenge erfüllt, die erschüttert die ruinenartig abgebrannte Kirche betrachteten. So manche von den alten Leuten konnten sich dabei der Tränen über das Vernichtungswerk nicht erwehren, und doch war es Glück im Unglück, dass der Brand nicht weiter um sich griff und den ganzen unten liegenden Teil der Bruckgasse, nicht einäscherte.

 

St georg Pyrbaum

 

Auf dem Brandplatze waren erschienen der Bezirksamtsvorstand Herr Oberreg.-Rat Schächtl von Neumarkt, der Bezirkstagsvorsitzender Herr Betz aus Pilsach, Herr Rechtk. Bürgermeister Weidner und Stadtbezirksfeuerwehrvertreter Matuch von Neumarkt, das Bezirksauto mit dem Überwachungskommando war auch erschienen.

Die freiwilligen Feuerwehren Oberhembach, Pruppach, Rengersricht, Seligenporten, Schwarzach, Heng, Postbauer, Kemnath, Unterferrieden, Oberferrieden, Ezelsdorf, Pölling, Neumarkt i.d.Opf., Buch, Lindelburg, Pfeifferhütte, Allersberg waren am Brandplatz erschienen und beteiligten sich mit großem Eifer und großer Ordnung an den Löscharbeiten.

Herr Kreisfeuerwehrvertreter Küneth war am Montag, den 26. erschienen und besichtigte die Brandstätte, leider war der Bezirksvertreter Herr Ökonomierat Frauenknecht in Folge der Verhandlungen des großen Landgemeindetages in München verhindert zu erscheinen und machte daher erst am 4. Mai seinen Besuch und besichtigte das Brandobjekt.

Leider gab es, nachdem wie erwähnt die größte Ordnung herrschte, auf dem Heimweg zwischen Leuten von Unterferrieden und Postbauer einen Zusammenstoß, der (in den Zeitungen) in eine Rauferei ausartete und in den Zeitungen stark aufgebaust wurde.

Es ist dieser nun der 2. Kirchenbrand den wir in Pyrbaum erleben mussten. Im Jahre 1899 an Pfingsten nachts 12 Uhr brannte die erst 1885 erbaute kath. Kirche nieder.

Nun steht vor uns die Ruine und der ausgebrannte Turm, wo wie Schiller sagt:

Des Himmels Wolken hoch hineinschauen. Die Glocken ein altes historisches Geläute, welches wir während des Krieges nicht abliefern mussten, sind nun dahin. Die Kirche wurde um 1530 durch Albrecht V. von Wolfstein erbaut, das Obergeschoß des Turmes, indem das Feuer ausbrach, wurde 1727 errichtet. Brandursache ist wahrscheinlich der Kamin. Mit vereinten Kräften wird das historische, wertvolle, schöne Gotteshaus bald wieder in seinem alten Glanze erstehen.

Bald I. Bürgermeister

 

 

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