Nister´sche Kunstanstalt  " 7. Dezember 1912 "

Aufsatz zur Geschichte des Feuerlöschwesens der Stadt Nürnberg

von Helmut Adler

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  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Zeit und Ort
  3. Das Ereignis
  4. Reaktionen -Nachhall
  5. Die neue Feuerwehrführung
  6. Anordnungen - Veränderungen
  7. Feuerlöschwesen in Nürnberg nach 1900
  8. Das Vorspiel - Sandberg räumt auf
  9. Reaktionen
  10. Nach dem "Großbrand" am 07.DEzember 1912
  11. Aus heutiger Sicht - eine Nachbetrachtung
  12. Die stolze Aufgabe - den "Bettel hinschmeißen"
  13. Die Sandbergsche Perspektive
  14. Nur der halbe Sieg
  15. Sandbergs weiterer Weg
  16. Allgemein betrachtet
  17. Erinnerung und Dank
  18. Quellennachweis

 

Zeit und Ort

Am 1. Januar 1912 wurde der Norddeutsche Wilhelm Sandberg neuer Leiter des Feuerlöschwesens in Nürnberg.

Der 1881 bei Lübeck geborene Sohn eines Gerichtsaktuars studierte an der TH Hannover und kam anschließend 1905, nach seinen eigenen Worten, zur „größten und bestorganisiertesten Berufsfeuerwehr Deutschlands“ 1 nach Berlin, in die Reichshauptstadt.

Als sechs Jahre später die Stelle des Branddirektors in Nürnberg ausgeschrieben wurde, bekam er unter 80 Bewerbern den Zuschlag und wurde Nachfolger des in den Ruhestand getretenen, seiner Verdienste für das Nürnberger Löschwesen wegen hochgeschätzten Branddirektors Wolfermann.

Am 15. April des gleichen Jahres sank die „Titanic“ und riss 1508 Menschen mit in die Tiefe des Meeres. Das Ende der „Belle Epoque“, ein vergnüglicher Lebensstil des gehobenen  Bürgertums, deutete sich an und obwohl von der "Urkatastrophe“ des noch jungen 20. Jahrhunderts, dem 1.Weltkrieg, noch niemand wusste, löste ein Brandunglück in der Frühe des 7. Dezember in Nürnberg tief gehende Veränderungen im Löschwesen der Stadt aus in welchem sich, zumindest aus heutiger Sicht, vieles der neuen, heraufdämmernden Zeit, nämlich, der sich Raum und Platz schaffenden Industrie- und Massengesellschaft mit ihrem „Fabriksystem“ andeutete in gewisser Hinsicht sogar diese vorwegnahm.

Das Großfeuer in der Nisterschen Kunstanstalt beschäftigte die örtliche Presse und den Magistrat der Stadt in einem Maße, wie es erst fünfzig Jahre später, 1962 mit dem Brand des „Ringkaufhauses“ am Frauentorgraben, wieder zu vermelden sein wird.

Die für die damalige Zeit hochmoderne Lithographieanstalt Nister befand sich innerhalb der Stadtmauern zwischen Laufer Tor und Wöhrder Tor. Das Areal beherbergte später lange Jahre die Druckerei des Sebaldus Verlags und steht heute, nach dessen Umzug ins Hafenindustriegebiet, einer anderen städtebaulichen Nutzung zur Verfügung. 3

Das Ereignis

Fränkischer Kurier Abendausgabe vom 15. April 1913

Nürnberg 15.April.

Der Bericht des Herrn Direktor Sandberg über den Nister'schen Brand liegt  jetzt vor.

Den allgemeinen Bemerkungen entnehmen wir folgendes:

Am 7.Dezember 1912 vormittags 5.14 Uhr wurde die Hauptfeuerwache durch Hrn. Schlächtermeister Josenhans mittels des Staatstelephons benachrichtigt. Der diensthabende Telegraphist der Hauptfeuerwache alarmierte sofort die Wache, welche mit dem ersten  Löschzug in einer Stärke von 20 Mann einschließlich der auf Wache befindlichen Mannschaften der freiwilligen Feuerwehr unter Oberführer Kohler sogleich zur Brandstelle abrückte.

Der Löschzug nahm wegen Sperrung des Marientors seinen Weg durch die Königsstraße, Hauptmarkt, Bindergasse zum äußeren Lauferplatz.

Bereits auf der Museumsbrücke erkannte man, daß es sich um ein ausgedehntes Feuer handeln müsse, da der Himmel stark gerötet war. Am Kupferschmiedshof wurde der Zug durch Anwohner aufgehalten und aufgefordert, von diesem aus mit Schlauchleitungen anzugreifen. Da Oberführer Kohler die Örtlichkeit des Nisterschen Anwesens noch von dem Brande daselbst am 26.März 1893 genau kannte, so fuhr er bis zur Einfahrt der Nisterschen Fabrik, Laufertormauer 8 weiter. Der vom Löschzug benutzte Weg kann bei schärfster Gangart in 6 Minuten zurückgelegt werden, so daß der Zug unter Einschluß einer Alarmzeit von 1 Minute frühestens um 5.21 Uhr an der Brandstelle eintraf. Infolge des Aufenthalts am Kupferschmiedshof wird die Ankunft wahrscheinlich später erfolgt sein. 

Bei Eintreffen auf der Brandselle fand Oberführer Kohler bereits den Dachstuhl und das Obergeschoß des neuen Lithographiegebäudes und den westlichen Teil des Dachstuhls vom alten Gebäude in Flammen vor. Auch brannte der dahinterliegende Maschinensaal. Den ganzen Umfang des Brandes konnte er im ersten Augenblick nicht erkennen, da der Hauptbrandherd von den hohen Seitengebäuden verdeckt wurde.

nisterbrand 1

Er ließ sofort mehrere Schlauchleitungen vornehmen. Die erste wurde im Treppenhause des neuen Lithographiegebäudes hochgeführt und dieses dadurch gehalten, auch wurde ein Übergreifen des Feuers  durch den bestehenden Verbindungsgang auf die einzelnen Stockwerke des alten Gebäudes hierdurch  verhindert. Weitere vier Schlauchleitungen wurden von den beiden Treppenhäusern des alten Lithographiegebäudes sowie durch das Kesselhaus nach dem Maschinensaal vorgenommen.

nisterbrand 2

Außer dem zuständigen ersten Löschzug der Hauptfeuerwache ist auf dem ersten Ruf, d.h. auf die erste auf der Hauptfeuerwache eingelaufenen Feuermeldung, ein weiterer Zug nicht abgerückt.

Unmittelbar nach der Ankunft auf der Brandstelle und nach kurzer Orientierung gab Oberführer Kohler sofort dem Depeschenboten den Auftrag durch Staatstelephon die Wache West zu alarmieren, was auch geschah.

Gleich nach Abgabe dieser Meldung suchte er selbst durch dasselbe Telephon die Hauptfeuerwache zu erreichen; er bekam jedoch keinen Anschluß, da, wie sich später herausstellte, die Leitung an dem auf dem Frankschen Stadel befindlichen Dachständer abgeschmolzen war. Nach wiederholten vergeblichen Versuchen ließ er durch Oberfeuerwehrmann Ulrich von der Polizeiwache 2 aus an die Hauptfeuerwache die Weisung: "Schlauchwagen und alle verfügbaren Schläuche zum Brandplatz, sämtliche Weckerlinien" übermitteln. Diese Weisung traf um 5.38 Uhr auf der Hauptfeuerwache ein.

Inzwischen war 5.34 Uhr der Löschzug der Wache West unter Brandmeister Steger, der als Vertreter des vom 20.November mit 31.Dezember beurlaubten Branddirektor die Oberleitung in Händen hatte, zur Brandstelle abgerückt.

Er traf etwa um 5.45 Uhr hier ein. Bei seiner Ankunft standen außer den bereits genannten Gebäuden das Maschinenhaus und der Franksche Stadel in Flammen.

nisterbrand 3

Es wurde zunächst zum Schutze des bedrohten Schulteschen Stadels durch das Haus äuß. Lauferplatz 8 eine Schlauchleitung vorgenommen. Dann wurde mit zwei weiteren Leitungen vom Kupferschmiedshof aus durch die Buchnerschen Gärten gegen den Brandherd vorgegangen. Brandmeister Steger gab hierauf den Oberführer den Auftrag, die Dampfspritze der Westwache nebst Beiwagen herbeizurufen. Da jedoch eine Verständigung mit der Westwache wegen Zerstörung der Leitungen und angeblichen Verschlossenseins der Polizeiwache nicht möglich war, so glaubte Oberführer Heinrich, den Dampfspritzenzug am schnellsten herbeizuschaffen, wenn von der Brandstelle Pferde zur Westwache geschickt würden, auch war ihm bekannt, daß nur noch ein Arbeitsgespann auf der Wache im Stall war und dieses zur Fortschaffung der beiden Fahrzeuge nicht ausreichte.

Nachdem er noch den Rest der auf dem Gerätewagen vorhandenen Schläuche vor dem Frankschen Anwesen abgeladen und dort eine weitere Schlauchleitung zum Schutze des stark bedrohten Fournierlagers vorgenommen hatte, fuhr er mit diesem Fahrzeug zur Westwache.

Die Abfahrt erfolgte etwa um 6 Uhr. Auf der Westwache waren inzwischen Pferde vom Fuhrwerksbesitzer Günther herbeigeschafft, auch trafen gerade die Gespanne für den Täglichen Bereitschaftsdienst von der Hauptwache hier ein. Nachdem die beiden Fahrzeuge mit Schläuchen beladen und bespannt waren, fuhr der Dampfspritzenzug zur Brandstelle zurück, wo er etwa 6.40 Uhr eintraf.

Unterdessen war auf die um 5.38 Uhr auf der Hauptfeuerwache eingegangene Meldung der Schlauchwagen dieser Wache unter Oberführer Kreß mit 7 Mann abgerückt und hatte die Nistersche Brandstelle mit Schläuchen versorgt, sowie eine Schlauchleitung in dem an das Vorderhaus angrenzenden südlichen Treppenhaus zum Schutze des neuen Lithographiegebäudes gelegt.

Ferner war um 5.53 Uhr der zweite Zug mit den inzwischen eingetroffenen Reserven der städtischen Feuerwehr (14 Mann) unter Oberführer Stahl von der Hauptfeuerwache abgerückt und hatte mehrere Schlauchleitungen zum Schutze des Frankschen Anwesens ausgelegt.

Nachdem also bereits sämtliche zur Verfügung stehenden Züge und Mannschaften angesetzt und schon an ihren Plätzen in Tätigkeit waren, traf Branddirektor Sandberg, der zu diesem Zeitpunkt, wie schon erwähnt, beurlaubt war, um 6.10 Uhr auf der Brandstelle ein und ließ sofort zur besseren Bekämpfung des Feuers im neuen Lithographiegebäude sowie zum Schutze des gefährdeten Vorderhauses eine mechanische Leiter in den vorderen Hof der Nisterschen Fabrik hineinfahren. Dies bot infolge der zahlreichen, auf denselben ausgelegten Schlauchleitungen erhebliche Schwierigkeiten. Über diese Leiter wurde dann eine weitere Schlauchleitung vorgenommen. Nach Eintreffen der Dampfspritze wurden dann von dieser aus zwei Leitungen von 70 mm Durchmesser ausgelegt. Die eine wurde in drei Normalleitungen gegabelt, mit denen über ein Treppenhaus sowie zwei Anstell-Leitern am alten Lithographiegebäude angegriffen wurde. Die andere Leitung wurde mit einem sehr kräftigen Mundstück im östlichen Treppenhaus desselben Gebäudes vorgenommen, um das durch den Südwestwind herüberdrängende Feuer abzuschneiden.

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Gegen 8 Uhr vormittags war die eigentliche Gefahr beseitigt, so daß an eine Ablösung der Mannschaften gedacht werden konnte.

Die Maxtorwache wurde telefonisch nicht alarmiert, da sie um 5.00 Uhr bereits abtritt. Jedoch wird vermerkt, daß der dort befindliche Alarmwecker der Sebalder Weckerlinie eingeschaltete wurde.

Die Schläuche der Maxtorwache werden auf Veranlassung des Oberführers Kohler durch den Kommandanten Preß der Abt.1 herbeigeschafft.

Die mit Weckern versehenen Mannschaften der zuständigen Bezirke Sebald, Aegidien, Jakob, Lorenz wurden sofort nach Eintreffen der ersten Feuermeldung auf der Hauptwache alarmiert und nach dieser Wache gerufen. Gemäß Dienstanweisung hätten aber die beiden Bezirke Sebald und Aegidien zum Brandplatz gerufen werden müssen.

Der diensthabende Telegraphist hat somit gegen seine Instruktion gehandelt. Seine Rechtfertigung, aus Erfahrung waren in der Vergangenheit sehr wenige freiw. Feuerwehrleute auf der Wache erschienen, um für ein zweites Feuer aber Reserven zu haben, habe er alle zur Wache gerufen. In der Tat hätten sich von 26 freiw. nur 2 auf der Hauptfeuerwache gemeldet.

Die städtischen Feuerwehrleute sind diesen Befehl nachgekommen und auch mit dem 2. Zug zur Brandstelle abgerückt. Ein Teil von ihnen ist als Reserve auf der Wache verblieben (eine Anzahl wird nichtgenannt H.A.). 8 

Soweit der zusammengefasste Bericht des Branddirektors Sandberg, erschienen im

Fränkischen Kurier“ vom April 1913, also vier Monate nach dem Großbrand in der Altstadt.

Nach erster Betrachtung, ein voll entwickeltes, offenes (d.h. Dachhaut schon von den Flammen durchbrochen) Schadensfeuer (damaliger Terminus „Hochfeuer“), das irgendwann, lange unbemerkt in der Nacht ausgebrochen sein musste. Die Löschkräfte der Stadt verlegten insgesamt 21 „5“ Schlauchleitungen (heute „Rohre“), konnten aber nicht verhindern, dass noch nach ihrem Eintreffen an der Brandstelle, die zerstörerische Gewalt des Feuers sich weiter entfaltete, um sich griff und die Lithographieanstalt zerstörte.

Der infolge einer Erkrankung beurlaubte Branddirektor, trifft eine Stunde später am Einsatzort ein und „ließ sofort zur [noch] besseren Bekämpfung des Feuers” 8 eine mechanische Leiter in Stellung bringen, gut so. 

Ein Dienst habender Telegrafist hatte zwar „gegen seine Instruktion gehandelt“ 8, das dürfte aber nicht entscheidend gewesen sein, denn es wird vom berichterstattenden Branddirektor nicht getadelt, sondern sein Verhalten erklärt und entschuldigt. Schon drei Stunden nach dem ersten Anrücken der Feuerwehr „war die eigentliche Gefahr beseitigt” 8 und es konnte an “einer Ablösung der Mannschaften gedacht” 8 (kann auch heißen nicht sofort veranlasst) werden.

Zwölf Jahre später feiert die Berufsfeuerwehr Nürnberg (erstmals!) ihr 50 jähriges Bestehen und da äußerte sich der gleiche Mann rückblickend zum Nisterbrand:

Die beiden Löschzüge der Haupt -und Westwache waren nicht in der Lage, das Feuer auf den inmitten hoher fensterreicher Betriebsbauten liegenden Brandherd zu beschränken, zumal der Angriff bei der eingeschachtelten Lage sehr schwierig war. Auch waren benachbarte Holzbauten bedroht. Es zeigte sich sehr bald, dass der Hydrantendruck allein bei so zahlreichen Schlauchleitungen nicht ausreichend war. Die daraufhin herbeigeholte Dampfspritze konnte, da nicht ständig unter Dampf stehend, erst verspätet eingreifen. Bei diesem Brand offenbarte sich auch deutlich der Nachteil einer zusammengewürfelten   Wachbesetzung. Da die Mannschaft der freiw. Feuerwehr mit der Bedienung der Kohlensäure-Drehleiter nicht vertraut war, mussten hierzu erst Mannschaften der BF, die bereits in der Brandstelle angesetzt waren, herausgezogen werden.

Was eben in den ersten Minuten aus Mangel an ausreichend geschulten Mannschaften an einem umfassenden, schneidigen Angriff versäumt war, ließ sich hinterher auch mit 21 Schlauchleitungen nicht wieder einholen. 1

Bei den Feierlichkeiten zum 50jährigen Bestehen der Berufsfeuerwehr im Hercules-Velodrom wurde nur mit Mühe und ein Eklat verhindert. Die „Alten“ (unter ihnen mein Urgroßvater H.A.) der Freiwilligen Feuerwehr fühlten sich zum zweiten Male missachtet, ungerecht behandelt und wollten schon (nachdem sie Kenntnis der Sandbergschen Jubiläumsschrift bekommen hatten) unter Protest den Saal verlassen, wurden aber von ihren Kollegen zum Bleiben überredet.

Was war geschehen?

Der Branddirektor gibt rückblickend, in der von ihm herausgegebenen Festschrift, den Männern der Freiwilligen Feuerwehr die Hauptschuld an der Brandausbreitung, bezeichnet sie „zusammengewürfelt“, „mit der Bedienung nicht vertraut“, und da ist dann ein „umfassender schneidiger Angriff“, nicht mehr möglich, die Versäumnisse sind nicht mehr wettzumachen. Der „Mangel an ausreichend geschulter Mannschaft“ lässt sich eben nicht wieder einholen (Zitate aus 1).

.......

 Das Vorspiel - Sandberg ordnet an

Anordnungen und Äußerungen des BD Sandberg an das Kommando der „Freiwilligen Feuerwehr des Turnvereins“ Abt. 2 im Februar 1912 - Auszüge :

Es sind einige besser situierte Herren einer Abt. der innern Stadt, welche sich meinen Anordnungen nicht fügen wollen, ich aber werde meine Ziele zu erreichen wissen.

Durch Anschlag im Wachlokal wird verfügt, daß der Führer der freiw. Feuerwehr seinen Platz vom Bock des Gerätewagens zu räumen hat und dieser durch einen Berufsfeuerwehrmann einzunehmen ist.

Ferner wird angeordnet, daß der Rettungsschlauch nicht mehr im Löschzug mitgeführt wird.

Die Augsburger Leiter und die bisher mitgeführten Löschgeräte wurden vom Rettungs- (Rüst) wagen entfernt, sodass diese nicht mehr, wie bisher als 2. Abmarsch durch die mit der Weckerlinie herbeigerufene freiw. Feuerwehrmannschaften, besetzt werden können. 

Die in Nürnberg verwendeten Birnenkarabiner (sog. Leipziger Karabinerhaken) finden keine Gnade vor den Augen des neuen Chefs und sollen durch den Berliner-Schiebehaken ersetzt werden.

Der Mannschaftsstand der freiwilligen FW hält Sandberg für zu hoch. Abt.1 = 175 Mann und Abt.2 = 130Mann

Die jährlichen Mittel, für deren Einsatzkleidung 5000 Mark, hält, Sandberg für zu hoch und möchte diese fürdie BF verwendet wissen.

Sandberg hält die FW- Männer nur für Dilettanten, vermutlich, weil die norddtsch. FW nur zwei Übungenim Jahr abhalten. In Nbg. werden 2 Führer-u. 6 Mannschaftsübungen im Jahr abgehalten. Die Abt.1+2 halten 2-14 Übungen ab.

Der BD spricht von der Abschaffung der freiw. Feuerwehr, auch die Maxtor-Nebenfeuerwache wird geschlossen werden.

Die Aufnahme neuer Mitglieder soll untersagt werden.

Herrn Sandberg wird der Vorwurf gemacht, den Dienstweg nicht einzuhalten.

Mit der bisher praktizierten Form, Neuerungen in den Führersitzungen zu besprechen wird gebrochen, die Mannschaften der FF bei Dienstantritt durch Anschlag am schwarzen Brett überrascht.

Bisher wurden die Mannschaften der FF bei jedem Feuer durch die Weckerlinie alarmiert. Die in der Nähe der Hauptwache wohnenden Leute konnten in kurzer Zeit die Geräte des 2.Abmarsches besetzen. Dies soll jetzt unterbleiben.

Der Nürnberger Anzeiger vom 03. März 1912 berichtet, daß der Pferdewechsel um 6 Uhr früh vom Stall in die Fahrzeughalle nicht mehr über dem Hof erfolgen darf, sondern über die Kartäusergasse durchgeführt werden muß. Angeblich weil dem neuen Chef das Pferdegetrappel stört (es war die Frau des Branddirektors, die sich gestört fühlte, selbst aber bis spät in die Nacht hinein Klavier spielte H.A.).

 Diese Litanei könnte noch weitergeführt werden. Es sollte aber genügen, denn sie veranschaulicht, wie konsequent Sandberg die „Ausschaltung der Freiwilligen Feuerwehr * als ebenbürtige Hilfstruppe“ 1 angeht, auch um dem Preis den Feuerschutz der Stadt zu beschädigen. Die „Erstschlagskraft“, die bis dahin gut funktionierende Einsatzfähigkeit eines (vor allem des Nachts) Löschzuges, aber auch die notwendigen Mannschaftsreserven bei Groß- oder Mehrfachbränden wurden von ihm (er nahm es jedenfalls in Kauf), wie noch zu sehen sein wird, mit ausgeschaltet.

Verkürzt ausgedrückt :

„Herunter vom Bock – ich brauche euch nicht mehr – verschwindet – das Geld bleibt hier – bleibt ihr, wo der Pfeffer wächst“.

Er forderte, ganz den wilhelminischen Zeitgeist frönend, den widerspruchslosen Gehorsam, die Unterordnung unter seinem Konzept, seinen Plänen. Er verlangte dies von ehrbaren Männern, die sich in der Tradition der „bürgerlichen, demokratischen Revolution“ stehend verstanden. Sein Handeln zielte gerade auf den Teil* der Löschorganisation Nürnbergs, der sich in den vergangenen 50 Jahren außerordentliche Verdienste für den Feuerschutz der Stadt und vieler seiner Führer, ehrenhalber und unentgeltlich die Bürgerrechte erworben hatten, kein Zufall.

 ....

Die stolze Aufgabe- den „Bettel hinschmeißen“ 

Fränkischer Kurier vorn 22. Februar 1913 Samstag-Vormittag-Ausgabe.

S t ä d t i s c h e s Nürnberg, 22.Febr. 1913

Die Freiwillige Feuerwehr des Turnvereins Abt. 2 hat laut Generalversammlungsbeschluß unterm gestrigen an den Stadtmagistrat Nürnberg folgenden Brief gerichtet: Die Art der Behandlung, welche die freiwillige Feuerwehr seit dem Amtsantritt des Herrn Direktor Sandberg über sich ergehen lassen mußte, insbesondere aber der Gang der durch den Fall Nister gezeitigten Verhandlungen im Verwaltungsausschuß haben uns zu der Überzeugung gebracht, daß die Grundbedingungen für ein gedeihliches Zusammenwirken, wie wir es während unserer 48jährigen Tätigkeit gewohnt waren, nicht mehr gegeben sind. Wir sehen uns daher zu unserem tiefsten Bedauern veranlaßt, mit dem 28.Februar a.c. aus dem Dienst zu scheiden und die in Händen habenden Ausrüstungsstücke dem verehrlichen Stadtmagistrat zur Verfügung zu stellen.Die Verantwortung für die Veranlassung zu diesem Schritt müssen wir den leitenden Personen, an erster

Stelle Herrn Direktor Sandberg, überbürden.

Hochachtungsvoll!

Freiwillige Feuerwehr des Turnvereins Abteilung 2.

gezeichnet: Gg. Maaß Kommandant K.Rubein 1. Zugführer

L. Blechschmidt Kassier.

Fränkischer Kurier vom 24. Februar 1913 Montag-Vormittags-Ausgabe. 

Auch die Freiwillige Turn-u.Feuerwehr Abt.l hat in ihrer gestrigen Hauptversammlung folgendes beschlossen: Unter den zur Zeit bestehenden Verhältnissen ist ein gedeihliches Zusammenwirken nicht mehr möglich. Dies veranlaßt uns zu unserem größten Bedauern, uns mit den Kameraden der Freiw. Feuerwehr des Turnvereins Abt.2 solidarisch zu erklären und den uns lieb gewordenen Dienst, welchem die Abteilung 60 Jahre lang der Stadt freiwillig und gern sich gewidmet mit dem 28.Februar 1913 zu quittieren und von diesem Tage ab einen hochwohllöblichen Stadtmagistrat die Ausrüstungsgegenstände zu Verfügung zu stellen.

Fränkischer Kurier vom 24.Februar 1913 Montag-Abend-Ausgabe. 

Wir sehen uns veranlaßt, nochmals auf die Vorgänge bei der Feuerwehr zurückzukommen, nachdem jetzt auch die Freiwillige Turn-und Feuerwehr Abt. 1 ihr Ausscheiden erklärt hat. Aber es ist doch wohl die Frage gestattet, wo denn der gedruckte Bericht über die Ausschußsitzungen bleibt, dessen Vorlage “in einigen Tagen” Herr Oberbaurat Weber vor 6 Wochen in Aussicht gestellt hat? Ist der Bericht des Bezirksvertreters der Freiwilligen Feuerwehr Bayerns beim Magistrat noch nicht eingelaufen? Wenn ernste Männer, die Jahrzehnte hindurch freiwillig Leben und Gesundheit im Dienste der Allgemeinheit aufs Spiel gesetzt haben, jetzt aus dem Dienste für die Öffentlichkeit einfach ausscheiden, dann müssen es doch wohl gewichtige Gründe sein, welche hiezu den Anlaß gegeben haben?

Nordbayrische Zeitung vom 25. Februar 1913

Kritik am neuen Chef und an verschleierter Unterdrückung. Preußischer Drill. (...)Wenn einer von beiden gehen soll, der neue Branddirektor oder unsere bewährte freiwillige Feuerwehr, dann möchten wir schon sehr bitten, daß unsere rühmlichst bewährte freiwillige Feuerwehr bleibt. (...) Gewisse Faktoren geben zu, daß denen der umgekehrte Fall lieber ist. (...) Dickfällig. Gras darüber wachsen lassen. Katze aus dem Sack lassen. (...) Auf Fragen sollen bündige Antworten gegeben werden.

Fränkischer Kurier vom 25.Februar 1913 Abend-Ausgabe.

Maßnahmen wegen Dienstaufgabe der Abteilungen 1 und 2. (...) Untersuchung über Nisterbrand erst nach Monaten einberufen worden. (...) Öffentlichkeit hat Anspruch über die Gründe der Dienstniederlegung der beiden Abteilungen. (...) Versöhnung? Es wäre zu wünschen gewesen, daß Herr Sandberg mehr Anpassungsfähigkeit bewiesen hätte. (...) Abteilungen sang-und klanglos gehen lassen!

Fränkischer Kurier vom 26.Februar 1913 Vormittag-Ausgabe. 

Neue Vorschläge Branddirektor Sandbergs ohne die freiwillige Feuerwehr zu erwähnen. (...) Ausgleichsversuche dürften zwecklos sein? (...) Umgestaltung nach Berliner System. 23

Nordbayrische Zeitung vom 4./5. und 6. März 1913

Danksagung an freiwillige Feuerwehr gestrichen. (...) Einzig die Geschlossenheit mit der die freiw. Feuerwehr der militärisch verbildeten Branddirektion den Bettel vor die Füße wirft.

Nordbayrische Zeitung vom 5. März 1913 

Zur Feuerwehrkrisis.

Den Abteilungen 1 und 2 der Freiwilligen Feuerwehr, die am 28. Februar ausschieden, ging folgende Zuschrift des Stadtmagistrats zu: "Von Ihrer Anzeige, daß Sie am 28. fd. Mts. den freiwilligen Feuerwehrdienst niederlegen, haben wir mit Bedauern Kenntnis genommen und bitten Sie, uns ausführlich und im einzelnen die Gründe für diesen Schritt mitzuteilen, damit wir ermessen können, wie sich etwa ein Ausgleich ermöglichen läßt”. Darauf richteten die beiden Abteilungen folgende gemeinsame Antwort an den Stadtmagistrat: "In der Zuschrift des verehrlichen Stadtmagistrats erblicken wir eine Art nachträglicher Anerkennung, für die wir den jenigen Herren Dank sagen, welche unser Ausscheiden aus dem Dienst bedauern. Wirunsererseits bedauern auf das schmerzlichste, daß dieser Schritt notwendig wurde, der reiflich überlegt und ein unwiderruflicher ist, was auch aus der Form der Kündigung unserer Auffassung nach unzweideutig hervorgeht, die ein Rückgängigmachen von vornherein ausschließt. Die Gründe unseres Rücktrittes sind nicht in kleinlichen Differenzen, sondern in ganz prinzipiellen Meinungsverschieden-heiten gegenüber dem System des Herrn Branddirektor Sandberg zu suchen, von dem ein Weiterbauen auf der vorhandenen Grundlage, nämlich gemeinsames Zusammenarbeiten der Berufs- mit Freiwilliger Feuerwehr nicht zu erwarten ist. Wir sind uns bewußt, daß wir eine Erörterung unserer Gründe im einzelnen von einem unbefangenen, nicht voreingenommenen Forum in keiner Weise zu scheuen haben, die Sache aber, der wir solange Jahre mit voller Hingabe dienten, steht uns trotz alledem zu hoch, als daß wir unsere Tätigkeit mit weiteren zwecklosen Erörterungen nach Art der letzten Verwaltungsausschusssitzung beschließen möchten."

Nordbayrische Zeitung vom 14. März 1913

Branddirektor Sandberg hat Anordnung getroffen, daß die freiw. Feuerwehren der Vororte nicht mehr weiter vermehrt werden dürfen und daß sie auch innerhalb ihres eigenen Mannschaftsbestandes keine Erhöhungen mehr vornehmen sollen.

Herr Sandberg hat einfach dekorierte! "Keine Abteilung darf stärker sein als 20 Mann!" Weitere Anordnung: Herr Sandberg hat den freiw. Feuerwehrmännern verboten, künftig bei Ausbruch eines Brandes direkt zur Brandstelle zu eilen!

Nordbayrische Zeitung vom 15.März 1913

Vorstadtvereine - Branddirektor Sandberg - und die freiw. Feuerwehr.

Sämtliche Vorstadtvereine setzen sich für die Weiterbestehung der freiwilligen Feuerwehr in den Vororten ein. Bezirksfeuerwehrvertreter Hauptlehrer Wagler (Gleishammer) verlangt Zurücknahme des Beschlusses über Höchststärke von 20 Mann!

Fränkischer Kurier vom 19.April 1913 Abend-Ausgabe. 

In einer Versammlung der vereinigten Vorstadtvereine wird das Weiterbestehen der freiwilligen Feuerwehr in den Vororten gefordert. Bezirksfeuerwehrvertreter Wagler fordert Bestimmung zu streichen, daß die freiwilligen Feuerwehr-Abteilungen nicht stärker als 20 Mann sein dürfen. Weiter soll die Anordnung Branddirektor Sandbergs gestrichen werden, daß vor Bespannung der Geräte in den Vororten, erst der Branddirektor zu hören sei! Wagler wird von seinem Stellvertreter, dem Leiter der Fabrikfeuerwehr Schuckert, Vitzithum und Kommandant Wohlfahrt von der Abteilung Lichtenhof unterstützt. Das Weiterbestehen, auch der freiwilligen Abteilungen in den Vororten, wird von der Annahme der Waglerschen Anträge abhängig gemacht.

Der Rücktritt beider Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr der Altstadt findet noch während der Auseinandersetzung mit den Vorkommnissen des Brandeinsatzes statt.

Aktuelles
08.05.2017
Nürnberg
18:00 Uhr
Vereinsstammtisch in der Gaststätte Gartenheim in der Gartenkolonie Hintere Marktstraße gegenüber Hausnr. 7. Jeder Interessierte ist herzlich willkommen.

13.05.2017
Kongresshalle
10:00 Uhr
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